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Beit Sahour - Xantens Partnerstadt in Palästina



Beit Sahour (auch Bait Sahur geschrieben) ist unsere vierte und am weitesten entfernte Partnerstadt. Sie liegt in Palästina, östlich von Bethlehem im Westjordanland. Die Bevölkerung von 15.400 Einwohnern ist zu 80 Prozent christlich und zu 20 Prozent muslimisch. Neben der Landwirtschaft die in Israel eine große Rolle spielt, basiert die Wirtschaft größtenteils auf dem Tourismus. Im Stadtwappen Beit Sahours sind Hirten und der Zusatz "Hirtenfeld" zur erkennen. Der Überlieferung nach befindet die Stadt sich auf dem Gebiet, wo laut Neuem Testament jene Hirten lagerten, denen die Geburt Jesu Christi zuerst verkündet wurde. Obwohl dies historisch nicht belegt ist, lässt die Nähe zu Bethlehem und die heute noch ideale Weidelandschaft mit Höhlen diese Lokalisierung logisch erscheinen. Gedenkstätten auf den "Hirtenfeldern", erinnern an die Verkündung der Weihnachtsbotschaft an die Hirten (Lk 2,1-20).

Besonders am Heiligen Abend ist die Kapelle auf dem Gelände der Römisch-katholischen Hirtenfelder der Franziskaner (Der es-Siar) für Touristen ein Anziehungspunkt. Hier befinden sich mehrere Zisternen und Grotten in der Art, wie man sie sich zurzeit Jesu vorstellen muss.

Ein Kloster und eine unterirdische Kirche, die der Gottesmutter geweiht ist befindet sich auf dem Gelände der Orthodoxen Hirtenfelder (Der er-Ra'wat). Hier werden auch angebliche Gräber von drei jener Hirten gezeigt, denen die Weihnachtsbotschaft verkündet worden war. Im Stadtzentrum gibt es den Marienbrunnen, eine Zisterne (Bir as-Sydah) die von Isaak, dem Sohn Abrahams, gegraben worden sein soll und aus der Maria bei der Flucht nach Ägypten getrunken haben soll.

Die jüngere Geschichte

Mit dieser Region verbindet man keine angenehme politische Geschichte, eher gewaltsame Auseinandersetzungen und militärische Aktivitäten. Diese gehören glücklicher Weise zum größten Teil der Vergangenheit an.

Die erste Intifada (Aufstand) war eine anhaltende gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und der israelischen Armee, die im Dezember 1987 begann. Ab 1991 ging die Gewaltintensität deutlich zurück und 1993 stellte das Oslo-Abkommen das Ende der ersten Intifada dar. Im Oktober 2000 begann die zweite Intifada, ein gewaltsamer Konflikt zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften, der von Jerusalem und Israel ausging. Dieser weitete sich auf den Gazastreifen und das Westjordanland aus. Im Februar 2005 wurde diese Al-Aqsa-Intifada offiziell, mit dem Abschluss eines Waffenstillstands zwischen dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas und Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon beendet.

Beit Sahour spielte eine wichtige Rolle in der ersten und zweiten Intifada, als Bewohner Beit Sahours als Zeichen ihres Protests gewaltfreie Aktionen anwandten. Als Zeichen der Versöhnung luden Israelis in der Aktion "Break Bread, Not Bones" (zu Deutsch: Brich Brot, nicht Knochen) zu einem Sabbat bei palästinensischen Familien ein. Teil des gewaltlosen Widerstandes war auch ein Steuerboykott unter dem Motto "No taxation without representation": So erhob die Militärverwaltung Israels Steuern auf Kriegsschäden. Auf diese Weise sollten Palästinenser Steuern für Schäden zahlen, für die sie nicht verantwortlich waren.

Die Partnerschaft mit Xanten

Seit 2011 ist Beit Sahour Xantens Partnerstadt. Einige mehrtägige Reisen in die Region haben Xantener schon unternommen, es waren aber weit weniger als bei Xantens anderen Partnerstädten. Geel ist gleich um die Ecke, Saintes etwa 1.000 km entfernt und Salisbury ist auch nicht "aus der Welt" sondern relativ einfach z. B. mit der Autofähre zu erreichen. Um nach Beit Sahour zu kommen, muss man schon ein Flugzeug besteigen. Obwohl das Organisationsteam es geschafft hat, preisgünstige Flugreisen (bisher für ca. 350 bis 500 Euro) durchzuführen, haben es noch nicht so viele Xantener nach Beit Sahour geschafft. Denn auch etwas anderes als die Entfernung stand bei den bisherigen Planungen bisher schon mal im Wege. Nämlich einige Vorurteile.

Natürlich macht die Region um Beit Sahour hauptsächlich Schlagzeilen, wenn es um den oben schon beschriebenen Konflikt geht. Aber anders als viele vielleicht denken, ist es im Gebiet um die Stadt in den letzten Jahren recht friedlich zugegangen. Während Einheimische durchaus öfters Probleme bei der Einreise in Israelisches Territorium haben können, müssen Touristen nichts dergleichen befürchten und haben völlige Reisefreiheit, wie uns noch im Februar zum Beispiel Rainer Groß und Michael Pütz vom Partnerschaftsverein berichteten. Sie sind bei ihren bisherigen Reisen nicht nur sehr herzlich aufgenommen und bewirtet worden, sondern fühlten sich zu jeder Zeit absolut sicher in Beit Sahour und auch in der weiteren Umgebung, die sie bereist haben.

Palästina ist ein touristisch geprägtes Land und Reisende werden vorbildlich behandelt. Von etwaigen inneren Spannungen spüren Touristen meist überhaupt nichts. Der Austausch-Schüler Ala Bannoura, der im Frühjahr 2014 für einige Monate in Xanten lebte, hatte einiges zu erklären. Zwar wurde er grundsätzlich sehr herzlich hier in Deutschland aufgenommen, musste aber auch erfahren, dass bei vielen seiner zeitweiligen Mitschüler hier in Xanten ein etwas "schiefes Bild" von den Palästinensern existiert. "Wir sind eben keine Berufsterroristen, die zu Hause mit der Waffe in der Hand herumlaufen, sondern ganz normale Menschen wie du und ich" sagt er - und damit hat er natürlich Recht.

Dem Partnerschaftsverein geht es deshalb besonders um den Austausch von Schülern - der mit Schüler/innen des Stiftsgymnasiums Xanten schon mehrfach praktiziert wurde. "Gerade unter den jungen Menschen entsteht recht schnell ein Vertrauensverhältnis und Vorurteile können abgebaut werden - aber auch bei uns Älteren hat das schon hervorragend funktioniert."

Hirtenfeld-Fest in Wardt

Schon zwei Mal fand das Hirtenfeldfest in Wardt statt (Beit Sahour bedeutet übersetzt ja Hirtenfeld) und fand großen Anklang. Bei Falafel, Hummus, Hirtenpunsch und frischem Pfefferminztee sowie Arabischer Musik konnte man dort sehr angenehme Stunden verleben und bekam einen Einblick in das Leben unserer "Partner" aus Palästina. Sobald der Termin für das nächste Hirtenfeldfest fest steht, sowie die nächsten Reisen nach Beit Sahour geplant werden, informiert Xanten Live darüber.