Das unabhängige Xantener Online-Stadtmagazin
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Birten - hier hat alles angefangen

St.-Viktor-Kirche
Auf dem Altrhein-Deich
Wassermühle
Idylle am Altrhein
Burg Winnenthal

Birten ist sehr alt. Das weiß hier jedes Kind. Schon in der Grundschule bekommt man in Birten alles Wissenswerte über die römische Vergangenheit des Heimatdorfes beigebracht. Einst lebten hier an der südlichen Seite des Fürstenberges tausende von Römischen Soldaten im Lager Vetera I und später, nach der Zerstörung durch die Bataver im Nachfolgelager Vetera II. Auch das zweite Lager wurde im 5. Jahrhundert zerstört. Danach lebte Birten als Bertunense Oppidum weiter und auch dieses wurde wieder zerstört. Diesmal war es der Rhein, der sein Flussbett verlegte und das Dorf verschlang. Das Gleiche tat er noch zwei Mal – immer wenn der Strom durch natürliche Umstände seinen Verlauf änderte.


Die Birtener St.-Viktor-Kirche, die heute auf dem „Hügel“ steht, ist gerade 100 Jahre alt geworden und hoch genug gebaut, um nicht wieder den Fluten zum Opfer zu fallen. Trotzdem wurde auch sie in ihrer Geschichte schwer beschädigt, nämlich 1945 bei einem Bombenangriff. Der Rhein scheint Birten jetzt nichts mehr anhaben zu können, lernte man doch irgendwann, den Fluss zu zähmen. Ein abgeschnittener alter Rheinarm führt noch recht nah am Dorf vorbei. Der Altrhein und die angrenzende Bislicher Insel stellen eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete am Niederrhein dar und beherbergen seltene Vogel- und andere Tierarten.

Einschneidende Veränderungen

In den letzten Jahrzehnten hat sich Birten stark verändert. Der Ausbau der B57 ließ die zwei Ortsteile Ober- und Unterbirten entstehen – erst seit einigen Jahren ist die extrem stark befahrene Straße durch zwei Querungshilfen (Verkehrsinseln) endlich für Fußgänger und Radfahrer leichter zu überwinden. Ein weiteres, das Dorfbild entscheidend prägendes Projekt, war der Kiesabbau Mitte des letzten Jahrhunderts. Die einstigen Baggerlöcher hinter dem Altrhein bilden jetzt den größten Teil des Naturschutzgebietes. Die letzte einschneidende Veränderung war sicherlich der Bau des Rheindeiches, der nicht nur den Blick auf die Altrhein-Idylle weitgehend versperrt, sondern auch für einige Bewohner die Umsiedlung bedeutete. Heute kratzt Birten langsam an der 2.000-Einwohner-Grenze, was dem einen oder anderen Lokalpolitiker zu wenig ist, wenn er auf die zum Teil deutlich stärkere Entwicklung der anderen Xantener Dörfer schaut.

Was man gesehen haben muss

Wer sich in Birten mal umschauen möchte, für den haben wir folgende Tipps: Das Amphitheater am Fuß des Fürstenberges, wo jedes Jahr Teile der „Xantener Sommerfestspiele“ stattfanden, die St.-Viktor-Kirche mit dem beschaulichen Waldfriedhof, die historische Wassermühle am Winnenthaler Kanal, ein Spaziergang auf dem Altrhein-Deich und natürlich die Burg Winnenthal (ja, Winnenthal gehört zu Birten) aus dem 14. Jahrhundert, die heute eine Seniorenresidenz beherbergt.

Es geht weiter

Damit ein Dorf nicht zum reinen Wohngebiet degradiert wird, braucht es aber nicht nur mehr Einwohner sondern vor allem eine funktionierende Infrastruktur. Einfach ist es nicht, sie zu erhalten. Der Katholischen Grundschule in Birten drohte in den letzten Jahrzehnten schon mehrfach das Aus. Vor einigen Jahren war wieder von Schließung mangels Schülern die Rede. Die innovative Idee, den Unterricht jahrgangsübergreifend zu gestalten, rettete der Zwergschule das Leben und sicherte dem Dorf die Zukunft – bis jetzt jedenfalls. Der Neubau eines „Schützenhauses“, das auch als Dorfzentrum/Treffpunkt für Jung und Alt dient und die Errichtung einer kleinen Turnhalle tun das Übrige, damit Birten ein vitales Dorf bleibt. Die Maßnahmen waren jedoch nicht unumstritten und nur durch ein sehr großes ehrenamtliches Engagement der Bewohner möglich.

Von ehemals zwei Bäckereien mit Lebensmittelläden ist noch einer übrig. Immerhin, denn andere Dörfer haben gar keine Lebensmittel-Märkte mehr. Die Post hat sich vor einiger Zeit auch aus Birten zurückgezogen. Trotz knapp 2.000 Einwohnern und einem kleinen Gewerbegebiet war das Aufkommen an Briefen und Paketen den Verantwortlichen bei der Deutschen Post wohl zu gering. Ein Wirtshaus mit Restaurant und Gesellschaftsräumen blieb Birten erhalten. Was das Dorf letztendlich zusammenhält, ist das Vereinsleben. Zwei Schützenvereine, Das Tambourcorps, Die KAB, Der Sportverein Viktoria Birten und andere Vereine, Gruppen und Clubs sorgen für Geselligkeit und Veranstaltungen. Auch „unorganisiert“ wird in Birten – zum Beispiel durch die Eltern der Kindergarten- und Schulkinder einiges auf die Beine gestellt.

Es scheint so, als wären gerade in den dörflichen Vereinen wieder mehr junge Leute engagiert. Das ist ein schöner Trend für die Zukunft. Zu wünschen wäre dem beschaulichen Ort am Rande des Altrheins, dass er sich auch in Zukunft sein Eigenleben bewahrt.