Das unabhängige Xantener Online-Stadtmagazin
für Bürger/innen und Gäste

Die Kreuzigungsgruppe vor dem Dom

Kreuzigungsgruppe - Foto: Thomas Költgen

Die monumentale Kreuzigungsgruppe vor dem Südportal des Xantener Doms ist neben dem Obelisken auf der Westseite wohl der interessanteste Blickfang im Kapitel rund um den Dom. Sie entstand zwischen 1525 und 1536 und wurde von dem Kanoniker Gerhard Berendonck (gestorben 1553) gestiftet und in Auftrag gegeben. Dieser Gerhard Berendonck ist auch unterhalb des Kalvarienberges, auf dem die Gruppe steht, begraben. Seine Kurie war an der Stelle, wo heute das Haus Michael steht. Er konnte durch sein Fenster beobachten, wie seine Stiftung von den Besuchern des Doms bewundert wurde. Seine Grabplatte ist noch erhalten.

Neben den drei Gekreuzigten zeigt die Szene auch Maria, Maria Magdalena, Johannes und einen Mönch, der zeitlich so gar nicht in die Gruppe passen will. Es ist eine Skulptur von Behrendonck, der sich auf diese Weise selbst ein Denkmal gesetzt hat. Eine zur damaligen Zeit nicht ungewöhnliche Vorgehensweise.

Die einzelnen Figuren sind aus konservatorischen Gründen schon vor längerer Zeit durch Kopien ersetzt worden. Zu gefährlich sind die Umwelteinflüsse für die Originale. 1873 wurde die Gruppe bereits einmal renoviert, was ein Relief am Podest belegt. Im Zuge der Schaffung der Kreuzigungsgruppe wurden beiderseits des Südportals auch verschiedene Passionsszenen installiert, die zum Teil im zweiten Weltkrieg zerstört und noch nicht wieder restauriert bzw. ersetzt worden sind. Auch auf diesen fünf steinernen Szenen ist Behrendonck selbst jeweils dargestellt.

Künstler unbekannt

Während sich der Auftraggeber des Kunstwerks durch seine eigene Einarbeitung als Skulptur und durch seine Grabplatte gleich mehrfach in der Szene verewigt hat, fehlt vom Künstler bislang jede Spur. Es gibt weder an der Kreuzigungsgruppe oder an den Passionsgruppen einen Hinweis auf den Künstler, noch sind in der Umgebung andere Kunstschätze gefunden worden, die auf eine ähnliche „Handschrift“ hinweisen und somit auf den Künstler schließen lassen könnten. Man tappt bislang tatsächlich völlig im Dunkeln. Eine Vermutung ist, dass es sich um einen niederländischen Bildhauer handelt, dessen andere Werke in den Wirren des Bildersturms in den Niederlanden und am Niederrhein zerstört wurden.