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Die Domfenster - Lasset das Licht herein!

Domfenster - Foto: Thomas Költgen

Heute soll es insbesondere um die wunderschönen Fenster des Doms gehen, die nicht nur kunsthistorisch gesehen enorm wertvoll sind, sondern die den Innenraum des Doms durch das interessante Lichtspiel erst zu dem machen, was er ist.

Fällt das Sonnenlicht durch die zahlreichen Fenster des Doms, so erzählen diese beinahe die komplette Geschichte dieses Bauwerks. Trotz der enorm großen Zerstörungen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges können wir heute noch einige historische Fenster im Dom bewundern. Die wurden nämlich von den Xantenern in weiser Voraussicht noch vor den Angriffen der Alliierten demontiert und an sicheren Orten gelagert. Zum Teil überdauerten die wertvollen Glaskunstwerke den Krieg tief unter der Erde im Salzbergwerk Borth oder aber im Sauerland, das weitgehend von Angriffen verschont blieb. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir heute noch zum Beispiel das Passionsfenster aus dem 13. Jahrhundert (1280 – 1310) bewundern können. Die Nachkriegsfenster sind zwar vielleicht kunsthistorisch nicht so wertvoll, aber optisch trotzdem eine Augenweide. Das große Fenster hinter der Orgel, das mit seinem Flammenmotiv an die Zerstörungen des Krieges erinnert und die Fenster auf der Südseite sind alle neu (1970er Jahre). Darunter ist auch das Norbertfenster, welches in 2007 von randalierenden Karnevalsjecken mit Schnapsflaschen beworfen und beschädigt wurde.

Glasrestauration durch die Dombauhütte


Um solche Beschädigungen und vor allem auch um die Verschmutzung und Beeinträchtigungen, die die wertvollen Scheiben durch Witterungseinflüsse erfahren, muss man sich ausgiebig kümmern, damit auch nachfolgende Generationen die Schönheit der Fenster bewundern können. In mühevoller Kleinarbeit werden die Fenster, die in Segmente unterteilt sind, zunächst demontiert und gereinigt, bevor mit den eigentlichen Restaurationsarbeiten angefangen werden kann. Dabei geht es nicht nur um die Restaurierung allein. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist es auch, die Fenster vor zukünftigen Witterungseinflüssen zu schützen.

Dazu bedient man sich einer aufwändigen aber sehr wirksamen Technik. Wenn die Originalfenster demontiert werden, wird eine Planglasscheibe in das entsprechende Segment eingepasst, die dort auch verbleibt, wenn das fertig behandelte Segment wieder eingebaut wird. Diese „Doppelverglasung“ schützt das Kunstfenster später wirkungsvoll vor Witterungseinflüssen von außen. Wichtig dabei ist, dass ein Abstand von 4 – 5 cm zwischen den beiden Scheiben eingehalten wird. In dem Zwischenraum findet eine leichte Luftzirkulation statt, die Feuchtigkeitsschäden vorbeugt. In der Vergangenheit wurde zur Konservierung der Fenster auch schon eine andere Technik angewandt, bei der dünne Glasscheiben direkt auf das Originalglas gelegt bzw. auch geklebt wurden. Dieses System hat sich aber als ungeeignet herausgestellt, weil sich immer wieder Feuchtigkeit, Schmutz, Schimmel usw. zwischen den Schichten ansammelte, was eher geschadet als genützt hat. Die neue Doppelverglasung auf Abstand ist nach dem bisherigen Stand das Nonplusultra der Glaskonservierung und wird jetzt weltweit angewandt. Einziger
Nachteil: Von außen sind die Planglasscheiben je nach Sonneneinstrahlung mehr oder weniger gut zu erkennen und der Blick auf die Bleiverglasung wird etwas getrübt. Von innen jedoch ist kein Unterschied zu erkennen.

Langfristig denken

Bei der Glasrestaurierung des Xantener Doms muss man sehr langfristig denken. Das ist das kleine Team der Dombauhütte auch bei allen anderen Arbeiten gewohnt. „Mal eben alle Fenster restaurieren, das geht nicht“, sagt Johannes Schubert, Leiter der Dombauhütte. „Bisher ist erst ein einziges Fenster komplett nach der neuen Technik fertiggestellt – es ist das über dem Südportal – und bei einigen weiteren (alte Sakristei und Hochaltar) sind die Originalverglasungen demontiert und schon durch Planglasscheiben ersetzt. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis der größte Teil der Fenster restauriert ist.“ Genau so verhält es sich mit den anderen Arbeiten, die die Dombauhütte leistet. Ein Steinmetz, ein Bildhauer, ein Restaurator sowie zwei Praktikantinnen und ein Azubi zum Steinbildhauer – das ist auch schon das komplette Team der Dombauhütte, das nur Projektweise, wie bei den Fenstern, von „Externen“ unterstützt wird. Wenn diese Handvoll engagierter Menschen nicht wäre, würde der Dom verfallen.

Aber Wunder kann man natürlich bei so einem kleinen Team nicht erwarten. Auch nicht an einem Ort wo „die Heiligen wohnen“. Geduld ist angesagt, wird aber schlussendlich doch belohnt. So ist zum Beispiel das Hochkreuz jetzt bald fertig restauriert. Es soll zu Ostern wieder an seinem alten Platz stehen.

Finanzierung

Getragen wird die Dombauhütte und ihre Projekte vom Verein zur Erhaltung des Xantener Doms unter der Leitung von Christiane Underberg. Die teilweise sehr schwierige Finanzierung, die ohne Spenden von Sponsoren und aus der Privatbevölkerung überhaupt nicht möglich wäre, ist ein weiterer Grund dafür, dass die Restaurierungsarbeiten nicht en gros sondern nur Stück für Stück vorgenommen werden können. Fest steht jedenfalls: Ohne den unermüdlichen Einsatz der Dombauhütte, die ihre Existenz bis hin zur Entstehung des Doms zurückverfolgen kann, und deren Trägerverein würde der Xantener Dom heute ganz anders aussehen. Vielleicht stünde er auch gar nicht mehr da. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg war der Wiederaufbau umstritten und es bestand die Gefahr des Abrisses. Aber das ist eine andere Geschichte...