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Der St. Viktor Dom

Der St. Viktor-Dom, wichtigstes Wahrzeichen der Stadt Xanten, nimmt in der Reihe bedeutender Kirchen des Mittelalters im Rheinland eine besondere, wenn nicht einmalige Stellung ein. Als größte Kirche zwischen Köln und dem Meer wird er, anders als der Kölner Dom, noch im späten Mittelalter in seiner heutigen Form fertiggestellt.

 

 

 

Die Geschichte des Doms

 

Erste geschichtliche Beweise für eine bauliche Existenz finden sich jedoch schon in der frühen Vorzeit - im vierten und fünften Jahrhundert. Damals noch ein eher schlichter Fachwerk- und Holzpfostenbau - als Totenmemorie über spätantiken Gräbern entwickelte sich der Bau über viele Jahrhunderte.

 

Über die Errichtung eines ersten dreischiffigen Kirchenbaus gibt es Nachweise Anfang des neunten Jahrhunderts. Dieser wurde jedoch durch die Normannen zerstört. Der urkundlich nicht nachweisliche Neubau eines Ottonischen Dombaus wird vermutlich im Jahre 967 eingeweiht.

 

Nach Bränden und Wiederherstellung wird der Ostteil der Kirche 1128 durch Norbert von Xanten als Erzbischof von Magdeburg, der Westteil hingegen erst 1165 durch den Kölner Erzbischof neu geweiht. In den folgenden Jahrhunderten werden die staufische Westchorhalle mit der Doppelturmfassade, die Grundsteinlegung für den gotischen Neubau sowie der Bau des östlichen Domes durchgeführt. Im Anschluss daran begann die Errichtung der Westchorhalle und die Ausführung des Südportals.

 

Mit der Fertigstellung des Kreuzgangs im Jahre 1546 sieht das heutige über die Grenzen bekannte Baudenkmal seiner Fertigstellung entgegen. 1544, mit der Weihe der Hl.- Geist Kapelle ist die über Jahrhunderte dauernde Errichtung des Xantener Doms vollendet. Im Zuge der Säkularisation gehen der Dom und das Stift im Jahre 1802 in den Besitz der katholischen St. Viktor-Gemeinde über.

 

Einen tragischen Schlusspunkt in der Baugeschichte setzt der zweite Weltkrieg. Im Februar 1945 versinken die Stadt Xanten und somit auch der Dom durch Bombenangriffe in Schutt und Asche. Nicht nur zahlreiche Menschenleben, sondern auch ein über Jahrhunderte entstandenes geschichtsträchtiges Bauwerk fiel dem Krieg zum Opfer. 1947 konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden und knapp zwanzig Jahre später feierten die Xantener mit der „Großen Viktortracht“ den Einzug in den wiederhergestellten Dom.

 

Seltenes Gesamtkunstwerk

 

Wer heute einen sinnlichen Spaziergang durch den wunderschönen Kreuzgang des Domes unternimmt, sollte es nicht versäumen, die heiligen Hallen des Xantener Wahrzeichens zu betreten und mit Sinn und Verstand die überdurchschnittlich gut erhaltenen Kunstschätze zu betrachten. Das Innere des Domes wirkt beeindruckend harmonisch, trotz seiner langen Bauzeit und der vielen Bauperioden in fast fünf Jahrhunderten. In dieser Zeit ist auch die Sammlung der Altäre, das liturgische Gerät, Skulpturen, Chorstühle, Wandteppiche und Glasmalereien gewachsen.

 

Trotz vieler Gefährdungen hat die Sammlung kaum Einbußen erlitten. Zusammen mit weiterem Stiftserbe, einem bis ins zwölfte Jahrhundert reichenden Archiv und einer bedeutenden Stiftsbibliothek bildet der Dom eine einzigartige Einheit, die als seltenes Gesamtkunstwerk zu betrachten ist.

 

Die Dombauhütte

 

Die Bausubstanz des Doms zu erhalten stellt ein weiteres Kapitel Geschichte dar. Nach dem Bau des gotischen Gotteshauses und der ersten großen Restaurierung um 1860 begann die Dombauhütte 1931 mit Wiederherstellungsarbeiten am Südportal. Diese vom Dombauverein gegründete Bauhütte existiert mit Unterbrechungen durch den zweiten Weltkrieg bis zum heutigen Tag. Eine von elf Dombau- und Münsterhütten, die zur Zeit in Deutschland in Betrieb sind. Neben der Kölner Dombauhütte mit 80 Mitarbeitern ist der Betrieb in Xanten mit 6 Mitarbeitern eher einer der kleineren Betriebe, jedoch ist die Aufgabenstellung trotz der unterschiedlichen Mitarbeitergröße der Bauhütten gleichartig.

 

Der Baubestand des Doms gerät schon im 18. Jahrhundert wegen fehlender Mittel der St. Viktor Gemeinde in Gefahr. 1849 bildet sich der erste Dombauverein. Dieser bemüht sich um Mittelbeschaffung für die unter der Leitung des königlichen Kreisbaumeisters Cuno durchgeführte Domrestaurierung in den Jahren 1857 bis 1868. Der Verein löste sich jedoch gleich nach Abschluss der Sanierungsarbeiten auf - im Glauben, den Dom für etwa 100 Jahre gesichert zu haben. Die fehlende permanente Bauaufsicht zeigt schon vor dem ersten Weltkrieg bedenkliche Folgen. Die Neugründung eines Dombauvereins und einer Dombauhütte folgt:  Am 18. Februar 1928 kommt es zum Eintrag ins Vereinsregister „Verein zur Erhaltung des Xantener Doms“. Die Restaurierungsarbeiten am Gebäude und die Wiederherstellung konnten durch den Dombauverein in diesen Jahren gesichert werden. 

 

Walter Bader

 

Einen wichtigen Beitrag hierzu leistete Professor Dr. Walter Bader, der sich auch um den Wiederaufbau der Stadt Xanten verdient gemacht hat. Im Zuge der Erhaltungsarbeiten stieß er 1933 auf ein römisches Doppelgrab unter dem Hochchor. Ob es sich hierbei um die Gebeine des heiligen Viktors, des römischen Märtyrers aus der legendären thebäischen Legion handelt, die im prunkvollen goldenen Viktorschrein auf dem Hochaltar ruhen, mag umstritten bleiben. Fest steht jedoch, dass Walter Bader sich mit seinem persönlichen Einsatz als „Retter des Xantener Doms“ einen Namen gemacht hat. Als Ehrenbürger Xantens und Namensgeber der Walter- Bader-Realschule ist er in der Stadtgeschichte fest verankert. In den Jahren ist die Sicherung des Doms erheblich fortgeschritten. Der Verein zur Erhaltung des Xantener Doms hat seine Geschäftsstelle in dem Kanonikerhaus, das Walter Bader 1946 mit seiner Ehefrau im Kapitel 10 erwarb. Die Eheleute übereigneten das Haus dem Dombauverein, der 1995 das Erbe antrat. Heute wirbt Christiane Underberg als Vorsitzende des Dombauvereins für die größtmögliche Förderung des romanisch gotischen Kunstdenkmals und seines historischen Umfeldes. Unter anderem für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit für die katholische Kirche und ihren Einsatz für den Denkmalschutz bekam Christiane Underberg am 30. Januar 2004 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.

 

Selbst entdecken

 

Soviel zu Zahlen, Daten und Fakten über Xantens wichtigstes Wahrzeichen. Die Bilder in diesem Artikel können nur schwer die Faszination ausdrücken, die von diesem Bauwerk ausgeht. Die muss jeder selbst erfahren – bei einem Besuch des Doms. Wann haben Sie sich das letzte Mal mit Muße unseren Dom angeschaut? Wäre es nicht gerade jetzt mal wieder an der Zeit, sich an den geschichtsträchtigsten Ort Xantens zu begeben und die Jahrhunderte auf sich wirken zu lassen? Den Xantener Dom kann man mit wachem Auge und offenem Herzen immer wieder aufs Neue entdecken. Während einer Messe, bei einem der Orgel- und Chorkonzerte oder einfach so, in einer Gruppe oder ganz alleine.