Das unabhängige Xantener Online-Stadtmagazin
für Bürger/innen und Gäste

Das Rathaus - was da alles schon drin war...

Für die jüngeren unter uns ist das weiß getünchte Gebäude am Kleinen Markt einfach nur das Xantener Rathaus. Für die etwas älteren ist es jedoch viel mehr. Dieses Gebäude wurde schon mindestens auf sechs verschiedene Arten genutzt. Das Baujahr dieses Hauses wird mit 1877 beziffert, allerdings stand vorher an gleicher Stelle schon einmal ein fast identisches Gebäude. Im Jahr 1639 zogen die Kapuzinermönche, die vorher auf dem Ork ihr Domizil hatten in das „Haus Steck“ am Markt, dass – wie die historische Zeichnung zeigt – nicht nur an gleicher Stelle stand wie das heutige Rathaus. Es lässt sich deutlich erkennen, dass dieses Haus auch architektonisches Vorbild für den späteren Bau war. 1802 wurde das Kapuzinerkloster aufgehoben. Das Gebäude verfiel und wurde schließlich abgerissen.


Der „Neubau“ von 1877

An gleicher Stelle wurde 1877 das Gebäude so errichtet, wie es heute noch – zumindest von der Vorderseite her – zu sehen ist. Das Haus wurde zunächst als Lehrerinnenseminar genutzt. Hier bildete man junge Lehrerinnen aus, aber ganz anders, als das heute geschieht. Die Lehrtätigkeit hatte damals weniger einen wissenschaftlichen Hintergrund sondern wurde sozusagen als Handwerk gelehrt. Die Lehramtsanwärterinnen konnten das, was man ihnen beibrachte, sofort in einer eingegliederten „Übungsschule“ an Kinder weitergeben und sich so recht praktisch auf den späteren Beruf vorbereiten. In dem Seminar zu dem auch ein Wohnheim gehörte, ging es damals sehr streng zu. Wie auf Fotos aus der damaligen Zeit erkennbar ist, herrschte eine züchtige Kleiderordnung und die Lehrerinnen in Spe hatten sich an sehr strenge Regeln zu halten. Ganz nach dem Vorbild der preußischen Regierung, die man noch heute hauptsächlich mit den Begriffen Zucht und Ordnung in Verbindung bringt. Nach dem ersten Weltkrieg zogen andere Schülerinnen in das Gebäude ein. In der „Aufbauschule“ konnten Mädchen das Abitur machen.

Nazis richten „LBA“ ein

In den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts nutzten die Nationalsozialisten das Haus ebenfalls als Schule. Die LBA (LehrerBildungsAnstalt) wurde von jungen Männern besucht, die den Kindern in der Umgebung das NSSystem nahe bringen sollten. Dementsprechend waren sie braun uniformiert und machten zum Beispiel auch Dienst in der Hitlerjugendorganisation.

Im Krieg wurde zumindest der vordere Teil des Gebäudes nicht zerstört. Hier richtete man noch während des Krieges ein Lazarett ein. Danach wurde das Gebäude (hinterer Teil) weiterhin als Krankenhaus genutzt, solange bis das St. Josef Hospital fertig gebaut war und diese Aufgabe übernehmen konnte. Das vordere Gebäude nutzte man gleichzeitig als Schülerkonvikt, also als Wohnheim für Schüler. Das „Norbertheim“ zog später in die Poststraße um, in das Gebäude, dass vorher die Stadtverwaltung beherbergte.

Seit den 60er Jahren dient das Gebäude nun als Rathaus und beherbergt die komplette Stadtverwaltung Der Altbau präsentiert sich weiterhin in seiner ursprünglichen Form, während dahinter ein komplett neuer Anbau erstellt wurde. Seit über 40 Jahren werden also die politischen und bürokratischen Geschicke Xantens hier vom kleinen Markt aus gelenkt. Der große Ratssaal hat schon unzählige hitzige Diskussionen erlebt und hier wurden zum Beispiel die Entscheidungen getroffen, die Xanten zur Touristenstadt machten.

In keinem Raum der Stadt wird wohl so viel gestritten wie hier im großen Sitzungssaal. Da geht es oft um Parteien und Personen – aber Gott sei Dank auch um Problemlösungen. So ist es nun mal in einer Demokratie. Natürlich wird im Rathaus nicht nur diskutiert sondern auch richtig gearbeitet. In einer Stadtverwaltung werden die politischen Entscheidungen umgesetzt und die unzähligen täglichen Abläufe einer Kommune organisiert. Gut, dass es heutzutage weniger Amtsschimmel und viel mehr ambitionierte Mitarbeiter gibt, die sich bemühen, den Bürgern unbürokratisch zu helfen. Das merkt man schon an der freundlichen und offenen Einrichtung des Eingangsbereiches und des Bürgerbüros – dort wo man in der Regel von 7.30 bis 18 Uhr jemanden antrifft, der einem hilft. Und wer außerhalb der Geschäftszeiten Informationen braucht, der findet die rund um die Uhr bei www.xanten rathaus.de.