Das unabhängige Xantener Online-Stadtmagazin
für Bürger/innen und Gäste

Fest der Liebe - ja bitte!

Von und mit Hobbywanderprediger Ano van Nym

So, Freunde, jetzt ist sie wieder da, die besinnliche Adventszeit. Die ist dieses Jahr besonders nötig, denn was man in letzter Zeit hier in Xanten und natürlich auch im Rest der Welt so an zwischenmenschlichem Umgang pflegt, das ist alles Andere als besinnlich. Was uns heutzutage vielfach verloren geht, ist der Respekt. Dafür gibt es besonders viele Beispiele, wenn man sich mal auf Facebook umschaut. In den Xanten-Gruppen zum Beispiel wird so ziemlich auf allem und jedem herumgehackt, wenn es mal wieder etwas Neues gibt, was man mit seinem kleinen Hirn nicht so ohne Weiteres sofort und vollumfänglich aufnehmen kann. Wenn plötzlich ein Steinkreis im Park steht oder ein Gradierwerk gebaut werden soll (wobei die meisten erst mal gar nicht wissen, was das ist), dann wird reflexartig auf die Stadt geschimpft, die Steuergelder für etwas verprasst, was wir alle gar nicht brauchen. Viele sind dann sehr schnell mit dem großen Maul der Anonymität dabei und sondern gehässige Kommentare ab, ohne vorher mal nachzudenken. Ganz schlecht, denn wenn man mit Nachdenken fertig ist, bereut man vielleicht diese Kommentare, mit denen man andere verletzt hat.

Aber auch im „richtigen Leben“ geht vieles in die Hose: Jüngstes Beispiel ist der unsägliche Umgangston in der Versammlung in Birten zum Bau des Krematoriums. Es wären reichlich gute Argumente da gewesen, die die Diskussion sachlich aber direkt weitergebracht hätten, aber warum sollte man diskutieren, wenn man auch mit Buhrufen, Geschrei und persönlichen Unterstellungen und Beleidigungen sein Ziel erreichen kann? Schämt euch was!

Und es ging sogar noch weiter mit reißerischen Plakaten und hetzerischen Flugblättern die den Bürgermeister in einem Leichenwagen zeigen. Nichts gegen das Ansinnen, ein Krematorium verhindern zu wollen. Seinen Standpunkt zu verdeutlichen ist korrekt und erwünscht, aber sich bei der "Argumentation" auf Pegida-Niveau herunter zu begeben und dann auch noch im Namen eines ganzen Dorfes zu sprechen, das lässt meinen Blutdruck steigen!

Wir müssen wieder zurück kommen zu einem bestimmten, ehrlichen aber herzlichen Umgangston. Egal ob in einer Xantener Kneipe, auf Facebook oder sonst wo. Das ist dringend, Leute, das muss Priorität haben. Vor allem sollte man niemanden öffentlich anprangern – was leider sehr oft geschieht – ohne vorher mit ihm persönlich gesprochen zu haben.

Egal in welchem Bereich: Lasst uns liebevoll und respektvoll mit unseren Mitmenschen umgehen. Selbst wenn es Idioten sind. Denn Hass schadet nicht nur dem anderen, sondern immer auch uns selbst. Lasst uns jede Beleidigung fragen, ob sie nicht lieber eine Umarmung wäre. Lasst uns vor einem blinden Wutausbruch ein paar Sekunden nachdenken, ob es nicht auch anders geht. Lasst uns bei unseren Gesprächspartnern und allen anderen Personen, mit denen wir zu tun haben, eine positive Grundeinstellung voraussetzen. Lasst uns fair sein und auch mal andere einen Fehler machen lassen, ohne sie gleich richten zu wollen. Lasst uns mal wieder persönlich miteinander reden anstatt über Messenger. Lasst uns kuscheln, statt Herzchen über Whatsapp zu verschicken.

Wir sollten keine virtuellen Tiere mit dem Handy suchen, sondern uns lieber um echte Tiere kümmern, denen es schlecht geht. Wir sollten Menschen, die wir angrabschen wollen, vorher fragen, ob sie das ok finden. Anderenfalls bringt einen das nicht weiter, noch nicht mal, wenn man US-Präsident ist. Wir sollten gerade unsere liebsten Menschen so behandeln, wie sie es verdient haben. Und alle anderen auch!

Es kommt das Fest der Liebe – wir sollten uns würdig zeigen, es zu begehen. Und anschließend bitte das ganze Jahr über so bleiben. Weihnachtsfrieden 365 Tage im Jahr.

So, und jetzt entspanne ich meinen erhobenen Zeigefinger wieder und wünsche euch eine besinnliche Adventszeit.


Euer Ano

 


Nun adé du meine liebe Jägersoße

Wieder eine Jugenderinnerung weniger

Von und mit Ano van Nym

Woran merkt man, dass man älter wird, Freunde? Ja, gut, an den Falten und am Rücken. Aber ich meine gerade was anderes: Man merkt es daran, dass langsam immer mehr Dinge verschwinden, die man in der Jugend geliebt hat.

Kostproben gefällig? Da gibt es ne ganze Menge von: Zum Beispiel das JOY. Das war die Disco in der ich eine Zeitlang meinen zweiten Wohnsitz hatte und mich immer bis Sendeschluss an einem einzigen Pernod-Cola festgehalten habe, wenn das Taschengeld mal wieder nicht reichte. Dann später VIPS, wo wir zwar nicht oft waren aber dafür sehr intensiv. Beides herbe Verluste. Das KAUFHAUS AM DOM, wo ich ziemlich lange jedes Jahr an Heiligabend um 12.30 noch ein Weihnachtsgeschenk für die Eltern bekommen habe – sonst bin ich da nie rein gegangen, aber trotzdem war es wichtig für mich. Was noch? Ach ja, Das Büdchen bei OPEL BECK, wo wir uns nach der Schule mit extrem gesunden Lebensmitteln (kurzkettige Kohlenhydrate) eindeckten, bevor es mit dem Bus vom Bahnhof nach Hause ging. Ersatzweise gerne auch mal am Kiosk von OPA BRAUSCH an der Mühle. Und die eine oder andere Tankstelle, bei der ich meinen 75er Ford Taunus befüllt habe, gibt es heute auch nicht mehr. Pieper in Birten, Aral und Esso in Xanten. Alles weg. Vom Erdboden verschluckt quasi. Der HOF VAN HOLLAND fehlt auch, da hab ich immer meine Sankt-Martins-Tüte abgeholt. Das ist alles noch gar nicht so lange her, denn ich bin ja immer noch jung.

Das letzte Stück, was mir jählings aus dem Herzen geschnitten wurde, tat besonders weh. Noch bis Ende Juli konnte ich mir etwa ein Mal im Monat eine Zeitreise in meine eigene Jugend gönnen. Ich sah mich plötzlich wieder auf meiner Kreidler Flory 3-Gang sitzen. Dieses Traumgefährt in Metallic-Rot mit Chromtank und extra breiter Sitzbank parkte ich oft wiederrechtlich in der Fußgängerzone und holte mir dann bei DRIESSEN ne große Pommes mit Jägersoße. Seit Mitte der 80er immer wieder. Bis eben Ende Juli dieses Jahres. Da hat sich nämlich Norbert Drießen ohne mich zu fragen einfach aus dem Staub gemacht. Ruhestand. Mit knapp über sechzig. Haloooooo? Na ja, verdient hat er es sicher, aber ich steh jetzt dumm da. Gerd Neuhauser, neuer Pächter der Lokalität hat mir versprochen, dass seine Jägersoße auch gut schmecken wird. Werde ich gerne probieren. Vielleicht ist sie ja sogar noch viel besser, wer weiß? Aber ein weiß ich sicher: Wenn ich die esse, stellt sich garantiert nicht das geistige Bild von mir als 15jährigem dünnen Jungen auf dat Moppet ein. Die Zeiten sind endgültig vorbei. Schade eigentlich. Gottlob hab ich noch viele „historische“ Orte, an die ich mich halten kann. Bis mir wieder einer weggenommen wird.

Was uns niemand nehmen kann, sind die schönen Erinnerungen daran. Und jetzt mach ich mal Schluss, sonst werd ich noch sentimental.

Habt einen schönen Herbst, Freunde!


Euer Ano  


 

Der „Heilige Sonntag“
und seine Auswirkungen auf das Einkaufsverhalten des handelsüblichen Xanteners

Von und mit Ano van Nym

Aus gewöhnlich schlecht unterrichteten Quellen habe ich unlängst gehört, es soll vereinzelt vorgekommen sein, dass in Xanten einige Geschäfte sonntags geöffnet hatten. SKANDAL!!! 

Die Ordnungsbehörden haben's nicht gesehen aber jetzt machten eifrige Bürger und wohl auch Politiker, die sich über die Sonntagsfrevler ärgerten, diesen Umstand „offiziell“. Fazit, jetzt hat wohl kein Geschäft in Xanten mehr sonntags geöffnet und das ärgert jetzt wieder ganz andere Leute. Nämlich zum einen die Ladenbesitzer, die sicher nicht zum Spaß auch am heiligen Sonntag etwas verkaufen wollten, sondern einfach, um am Monatsende ein bisschen Geld zum Überleben zu haben. Zum anderen die Xantener und auch Touristen, die sonntags gerne in der Stadt herumlaufen und ein bisschen Abwechslung haben möchten.

An anderer Stelle lief es genau umgekehrt. Da war ein verkaufsoffener Sonntag offiziell angemeldet und genehmigt und dann wurde, angeblich mangels Interesse der ansässigen Unternehmer, das dazugehörige Gewerbeparkfest abgesagt, bzw. zumindest wollten nur noch einige Wenige ihre Läden an diesem Tag öffnen. Also die einen wollen gerne und dürfen nicht – und die anderen dürfen und wollen nicht. Verkehrte Welt.

Der Onkel Ano ist ja auch so eine Art Unternehmer. Glücklicherweise ganz ohne Öffnungszeiten sondern mit festen Terminen. Ich darf ja immer und manchmal muss ich leider auch immer. Über Arbeitszeiten denkt man als Selbständiger ja nicht so gerne nach, weil man davon nur schlecht drauf kommt. Ich habe ganz viel über die oben genannte Problematik nachgedacht und bin zu keinem Lösungsansatz gekommen. Außer vielleicht, dass man endlich mal nicht nur das Schlechte sondern auch etwas Gutes von den USA übernehmen sollte. Da gibt es nämlich gar kein Ladenschlussgesetz sondern jeder Laden darf öffnen und schließen wann er will. OK, jetzt will ich die Amis mal nicht zu viel loben, aber DAS wäre auch was für uns in Deutschland. Na gut: Die christlichen Feiertage lassen wir mal zu – damit wir nicht in die Hölle kommen (wie die ganzen Gastronomen, Ärzte, Taxifahrer etc. die ja immer sonntags arbeiten) aber ansonsten würde das unserer Wirtschaft sehr gut zu Gesicht stehen. Jedenfalls machen einige Nachbarländer uns das erfolgreich vor, wie man z. B. an sonntäglichen Staus auf der A57 oder 40 Richtung Holland sieht.

Nun wird es aber sicher noch lange dauern, bis auch in Deutschland zeitlose Freiheit für Ladenbesitzer herrscht. Wir müssen bis dahin mit nur vier verkaufsoffenen Sonntagen Vorlieb nehmen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Deshalb gebar mein geschundenes Hirn kürzlich folgende Idee:

Wenn die Läden schon sonntags nicht geöffnet werden, warum dann nicht wenigstens am Samstag bis mindestens 18 Uhr. In Xanten schließen samstags schon ab 13 Uhr nach und nach alle Läden und schon um 16 Uhr herrscht Langeweile in der City. Wohlgemerkt in einer Touristenstadt. Der Markt und die Cafés sind zwar voll aber die Läden alle zu. Also wie wäre es, die „verlorenen“ Sonntagsstunden einfach samstags dran zu hängen und – sehr wichtig - das bitte auch laut und deutlich in allen Medien kundzutun. Ich wette, es dauert keine 10 Jahre, bis die Xantener Kunden sich daran gewöhnt haben – und dann wird alles wieder gut.

Jetzt steinigt mich ruhig für solcherlei revolutionäres Gedankengut. Aber einen hau ich noch raus: Unsere Öffnungszeiten sollten sich (im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten) am Kunden orientieren und nicht an den Gewohnheiten oder Vorlieben der Geschäftsleute. :-)

Wünsche allen eine schöne Saison

Euer Ano

Meine - deine - unsere Ahnen

Xantener: Erstürmet das römische Bollwerk und lernet über eure Ahnen!

Von und mit Ano van Nym

Drei Quizzfragen: Was ist aus Holz und hängt im Römermuseum an der Decke? Wen stellt die Statue dar, die im Gewölbe des Amphitheaters steht? Und wo hat eine Xantener Familie für insgesamt 10 Euro ein ganzes Jahr lang freien Eintritt? Naaaa? Keine der drei Fragen richtig beantwortet? Dann ist das hier für euch.

In meinem Bekanntenkreis gibt es kaum Einzeller und Neandertaler. Eigentlich hauptsächlich Leute, die einigermaßen was auf dem Kasten haben und sich stets in ganzen Sätzen artikulieren. Trotzdem fällt mir immer wieder was auf: Meine Bekannten, die NICHT aus Xanten kommen, kennen fast alle den APX und das Römermuseum von innen. Die, die sich eingeborene unserer Stadt nennen, die fast alle nicht. Die sind höchstens mal vor 30 Jahren mit der Schulklasse da gewesen. Woran liegt das? Desinteresse? Oder haben die Xantener, Zantener und Santesse vielleicht Angst vor der eigenen Vergangenheit? Ich weiß es nicht. Ich hab mich jedenfalls schon zig Mal getraut und bin einfach rein gegangen. Und siehe da, ich lebe noch – und bin seit dem nicht nur schlauer, sondern auch ein Fan vom römischen Xanten geworden. Und das ist so günstig für uns. Denn wer in unserer Stadt seinen Wohnsitz hat, der kann für zehn Tacken im Jahr mit seiner ganzen Familie den Park besuchen, so oft er will (vorausgesetzt die Kids sind unter 18, dann haben die sowieso freien Eintritt). Nen Zehner im Jahr! Das lohnt sich schon beim ersten Besuch mit zwei Erwachsenen. Und weil wie hier nicht bei den Römisch-katholischen sondern nur bei den Römern sind, muss das Paar, für das die Jahreskarte ausgestellt wird, noch nicht mal denselben Nachnamen haben – wohl aber die selbe Adresse im Pass.

Also Leute: Traut euch, es tut nicht weh! Lernt etwas über eure Vergangenheit. Es gibt Dinge, die ihr über eure Ahnen nie geahnt hättet. Und wenn ihr kleinere Kinder habt, dann tobt euch mit denen auf dem coolen Spielplatz aus und macht ein Picknick auf dem Rasen daneben. Der Sommer naht – das macht bestimmt allen Spaß. Vielleicht schon bei dem „Römischen Handwerkerfest“ vom 1. bis 3. Mai. Das wäre doch eine gute Gelegenheit. Wenn ihr dann den APX und das Römermuseum mal in Ruhe besichtigt habt, dann könnt ihr beim nächsten Besuch eure Freunde von Außerhalb so richtig fett mit dem neuen Wissen beeindrucken. Obwohl.... die waren bestimmt selber schon da.

Lasst es euch gut gehen, ihr Neuzeit-Römer!

 Euer Ano

 

 

 

Reif für die Insel - dann baut euch welche!

Foto: bibischnuf / photocase.de

Aktive Lebenshilfe von und mit Ano van Nym

 

Es ist ja nicht nur in Xanten so – aber hier fällt es mir natürlich hauptsächlich auf, weil ich nun mal meistens hier unterwegs bin: Viele Menschen meines Alters – sagen wir mal so zwischen vierzig und sechzig – rennen gehetzt durch die Stadt, die Mimik eher angestrengt, der Schritt schnell und zielstrebig, der Blick geradeaus aufs Ziel gerichtet. Viele haben wenig Zeit für Blicke nach links und rechts, für den Genuss eines Moments, für Menschen, die man trifft und mit denen man reden könnte (geht auch ohne W-LAN). Nein, viele sind halt grundsätzlich die meiste Zeit damit beschäftigt, Verantwortung zu tragen. Und das ist schon ein schweres Los.

In unserem Alter stehen die Kinder oft noch nicht auf eigenen Beinen. Die Familie muss – wie der Niederrheiner es auf seine bekannt geradlinige Art ausdrückt „am Kacken gehalten werden“, die Miete will bezahlt sein, dummerweise auch noch jeden Monat wieder, die Raten für den letzten Urlaub auch und überhaupt ist ja alles teurer geworden, auch wenn man zu zweit arbeiten geht, ist es echt schwer.... usw. usw. - ihr kennt das aus eigener Erfahrung.

Wenn man sein Leid unter Freunden klagt, kommt oft nur die Antwort „Na, frag mich mal....“ und dann bekommt man erklärt, dass es ihm oder ihr ja noch viel schlechter geht. Alle sind irgendwie permanent reif für die Insel.

Ich hab mir jetzt selbst ein paar kleine Inseln gebaut. Mitten in mein tägliches Leben hinein, denn da sind sie leicht erreichbar für mich. Ein Mal die Woche mittags eine Stunde Gitarrenunterricht, Freitag Abend dazu passend die Band-Probe, in der Mittagspause ein kurzer Spaziergang am Deich, ein Mal pro Woche eine kurze Fotosafari durch die Stadt. Ein Date mit der eigenen Lebensgefährtin im Mühlengarten (da gibt es auch kein W-LAN), den Kundentermin mal nicht im Büro ansetzen sondern in einem Café, ein intensives Gespräch mit den Kids (am besten einzeln) oder einfach mal eine Stunde lang überhaupt nichts machen – sozusagen „chillen“. Das wirkt echt Wunder, jedenfalls bei mir. Na ja, eine Insel habe ich schon länger nicht mehr erreicht, nämlich die Sport-Insel, aber ich arbeite daran. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und wenn ihr jetzt denkt „dazu fehlt mir doch die Zeit“, dann denkt mal darüber nach, wie viel Stunden ihr am Tag vor dem Fernseher oder vor dem Rechner sitzt. Naaaa????

Kleiner Insel-Tipp zum Schluss: Die zwei Stunden Facebook am Tag kann man prima von der Freizeit in die Arbeitszeit verlegen. Solange der Chef nix merkt ist alles gut..... ;-)

So, Freunde, der Onkel Ano wünscht euch einen schönen Herbst – vielleicht sieht man sich ja mal zufällig auf der einen oder anderen Insel.


Euer Ano.

 

 

 

 

Ano's Wahl-Nachlese - die Würfel sind gefallen!

Von und mit Ano van Nym


So, jetzt ist es vorbei. Am 25. Mai wurde gewählt und der Xantener Wahlkampf kann sauber zusammengefaltet und abgeheftet werden. Das ist auch ganz gut so, denn irgendwann kann man es ja, so lustig es auch manchmal ist, echt nicht mehr sehen.

Der Wahlkampf in Xanten war eigentlich recht kurz dieses Mal. Manche Parteien kamen erst Knapp vor dem Wahltermin mit ihrem Parteiprogramm heraus – vielleicht als Überraschungs-Joker, oder einfach, weil es nicht früher fertig war. Auch die Zettel, Flyer und Postkarten im Briefkasten kamen teilweise erst einen Tag vor der Wahl bei der „Zielgruppe“ an, was die Briefwähler dann teilweise etwas belustigte, denn die hatten ja ihre Stimme schon längst abgegeben.

In Puncto Werbegeschenke hatte fast jede Partei etwas zu bieten. Vielfach zur Freude der Empfänger aber oft auch zum Unmut derjenigen Xantener, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht haben, erst mal immer dagegen zu sein. Die Messer von der CDU sind bekanntlich gut. Für einige (Facebook) aber deutlich zu scharf. Sie stellten eine Gefahr für Kinder und demente Menschen dar, die diese im Briefkasten vorfinden. Skandal! Dann die FBI, die Traubenzucker und Flaschenöffner verteilte. Ganz klar wurde hier der Diabetes und der Trunksucht Vorschub geleistet. Skandal! In den LED-Taschenlampen von der SPD waren bestimmt hochgiftige Batterien. Skandal! Und dann erhielt noch ein 85-jähriger Rentner von einer Partei ein Kondom als Werbegeschenk – der fühlte sich dann auch irgendwie verarscht... Wie man’s macht, macht man’s halt verkehrt.

Genau so erging es unserer Bürgermeisterkandidatin und ihren beiden männlichen Kontrahenten. Frau Gatermann Hebben wird auseinandergenommen, weil sie in den Social-Media-Plattformen nicht vorkommt und somit als altmodisch abgestempelt. Herr Görtz hingegen bekommt den Wind von vorne, weil er ebendort zu massiv unterwegs ist. Auch hier: Wie man’s macht, macht man’s falsch – oder auch nicht, denn einer hat es anscheinend richtig gemacht. Kandidat Bullmann gibt es zwar bei Facebook, aber er hält sich dezent zurück. Er war auch der einzige von den dreien, die dort nicht von Irgendjemandem öffentlich diffamiert wurden. Er zog scheinbar ruhig und gelassen seinen Wahlkampf durch, eckte nirgendwo an und kam sympathisch rüber. Und siehe da: Ein 30 Prozent-Erfolg trotz einer in Xanten beinahe übermächtigen CDU. Das ist aller Ehren wert, Herr Bullmann!

Aber das Rennen hat ja dann doch ein anderer gemacht. Thomas Görtz, auf meinem Lieblings-Spielplatz (Facebook) manchmal auch Görzinator oder Thobama genannt, erreichte eine deutliche Mehrheit und zieht jetzt als Bürgermeister in unser Rathaus ein – oder besser um, denn er war ja schon drin. Im Wahlkampf war er sehr rührig, unser neuer Bürgermeister, wenn er im Amt so weitermacht, dann wird alles gut. Bewegen will er viel, versprochen hat er einiges. Gemessen wird er bald an seinen Taten. Ich für meinen Teil wünsche ihm Glück und behalte die Abarbeitung der Versprechen im Auge. Aber denkt daran, Freunde, alle Politiker, egal welcher Partei sie angehören oder welches Amt sie bekleiden, haben eins gemeinsam: Es gilt die 100-Tage-Schonfrist. Denn das einzige, was Thomas Görtz jetzt nicht brauchen kann, sind Knüppel und Fallstricke über die man stolpern kann. Vielleicht nutzt er seine Chance und hält alle seine Versprechen. Wir werden erfahren und freuen uns wenn’s gelingt. Und ab dem hundertersten Tag handeln wir Xantener dann sicher wieder ganz nach unserer Natur – immer feste druff

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sommer!

Euer Ano


Dicke Luft? In Xanten ab sofort nicht mehr!

Foto: Photocase.de/kallejipp

Von und mit Ano van Nym (Hochleistungs-Frischluftatmer) 

So, jetzt ist es amtlich – Xanten wird Luftkurort. Auch wenn wir fortan nicht den Zusatz „Bad“ im Namen führen werden, ist das doch eine einschneidende Entscheidung. Und wie so oft, gibt es relativ schnell mehr Meinungen zu diesem Thema als man so glaubt. Im Groben sind es drei Gruppen, die sich hervortun: Die Optimisten – hauptsächlich in den Reihen der Xantener Politik zu finden, die Realisten, die sich einerseits freuen aber auch einen wachen Sinn für mögliche Nachteile haben, und die Pessimisten – und die treffen sich alle täglich bei Facebook!

Leute, falls ihr noch nicht bei Facebook seid, ihr müsst euch da unbedingt anmelden. Vorbei sind nämlich die Zeiten der Langeweile durch schlechtes Fernsehprogramm. In den verschiedenen Xanten-Gruppen auf Facebook ist immer für gute Unterhaltung gesorgt. Da kommt kein Fernsehsender mit. Hier die lustigsten Fragen zum Thema Luftkurort und meine ganz persönlichen, kostenlosen Antworten darauf:

„Wird die komplette Innenstadt jetzt autofrei und war die Mauer am Westwall nur die Spitze des Eisbergs?“ – Nein, die Innenstadt wird nicht ganz autofrei. Rettungsfahrzeugen wird es weiterhin erlaubt sein, bis ins Zentrum zu fahren, ohne dies gesondert zu beantragen.

„Darf ich bald mit meinem Motorrad nicht mehr nach Xanten fahren?“ – Doch, aber nur noch ohne Helm, damit du die Kurgäste ordnungsgemäß anlächeln kannst.

„Werden jetzt in Xanten die Mieten erhöht?“ – Quatsch! Denn die Mieten in Xanten sind ja schon so hoch, dass es höher nicht mehr geht. Es könnte wohl sein, dass die Wohnungen bei gleicher Miete etwas kleiner werden.

„Muss jetzt jeder im Hotel Kurtaxe bezahlen?“ – Nein, die Kurtaxe gilt nicht für Menschen, die beruflich übernachten. Deshalb sieht man schon jetzt vermehrt Touristen, die mit Mechaniker-Overalls oder Nadelstreifenanzügen bekleidet sind.

„Darf ich jetzt auch draußen in der Öffentlichkeit nicht mehr rauchen?“ – Richtig, stattdessen rauchst du bitte ab sofort in deinem eigenen, mit Rußentschwefelungsanlage ausgerüsteten Raucherkeller.

„Darf ich meinen privaten Kamin zu Hause noch betreiben?“ Ja, aber nur mit Holz von Bäumen, die unser Bürgermeister persönlich gefällt hat.

Ihr seht, Freunde, dass es gar nicht so schwer ist, mit der Ernennung zum Kurort zu leben, wenn man sich an ein paar kleine Regeln hält. Die Touristen freut es, bei uns in Xanten mal ordentlich abhusten zu können und uns Xantener sollte es auch zur Freude gereichen, wenn die neue Touristenzielgruppe der Frischluftfanatiker ihr Geld bei uns lässt. Wenn‘s klappt führt das bestimmt bald zu Steuersenkungen – wartet‘s nur ab!

Anos persönliches Luftkurort-Fazit: Wahrscheinlich wird es für uns Xantener nicht schlechter aber auch nicht besser. Die Optimisten freuen sich wahrscheinlich zu früh wohingegen sich die Pessimisten mal wieder unbegründet ins Hemd machen. Ach was bin ich froh, dass ich ein Realist bin. Es kommt wie es kommt und es kommt bestimmt wieder mal voll gut! Nur eins wurmt mich ein Bisschen: Ich muss bestimmt demnächst auf meine geliebten „Baked Beans“ verzichten. Die sind sicherlich wegen der entsetzlichen Abgase für Xanten jetzt nicht mehr tragbar L

Einen schönen Frühling noch – man sieht sich!

Euer Ano

 

 

Welt(Haus-)frauentag

Foto: Photocase.de

Von und mit Ano van Nym (Dipl. Frauenversteher).


Eben lese ich das Programm zum diesjährigen Weltfrauentag in Xanten. Über 20 Punkte hat dieses Programm und bei 15 davon habe ich mir wirklich kurz die Augen reiben müssen, um es zu glauben. Das Ganze könnte sich ein Mann ausgedacht haben. Genau die Klischeethemen, die man Frauen im Allgemeinen zuordnet, werden bedient: Abnehmen, Mode, Kochen, Schmuck, Wellness, Kosmetik, Fitness.... Sind das wirklich die Themen, die die Frauen von heute vorherrschend interessieren? Meine Freundin Guste meinte dazu: „Hä??? Also ich ziehe mir am Weltfrauentag meinen Blaumann an, leg mich unter mein Auto und mach nen Oelwechsel. Danach gehe ich zu meinem Frauenstammtisch und rede en Bisken über Weltpolitik, Sex und Kerle. Wenn ich dann blitzeblau nach Hause komme, falle ich noch schnell über Herbert her, wenner nich wieder Migräne hat.“ Versteht ihr was ich meine? Die Frauen sind doch auch in Xanten heute nicht mehr so wie damals in den Sechzigern!


Freunde, jetzt aber mal ernsthaft: Der Ano, das müsst ihr wissen, ist nicht nur ein Frauenversteher, sondern ein waschechter Feminist. Einer der wenigen heldenhaften Männer, die Frauen nicht nach ihrem Äußeren, sondern nach inneren Werten messen. Wo bitteschön sind die kritischen Frauenthemen, auf die die Welt am Frauentag aufmerksam gemacht werden muss? Wo sind die Aktionen, die sich mit der Unterdrückung der Frau durch die Männerwelt beschäftigen, wo wird hinterfragt, warum Frauen auch in unserer modernen westlichen Welt nicht nur im Job schlechter bezahlt, sondern im öffentlichen Leben auch schlechter behandelt werden als Männer. Wo sind die wirklich wichtigen Themen, für die dieser Weltfrauentag eigentlich geschaffen wurde? Also ich finde, dass die Veranstaltung in Xanten vielleicht besser Welt-Hausfrauentag heißen könnte. Obwohl.... da fehlt dann eigentlich noch Jemako und Tupper im Programm. Und vielleicht tut man damit ja sogar den Hausfrauen Unrecht...


Ich freue mich jedenfalls auf den nächsten Welt-Männertag. Da mache ich es mir dann gemütlich bei einem schönen, für mich passenden Programm: Auto-Salon, Brauereibesichtigung, Fußballwette, Erotik-Heftchen-Börse, Horror-Filmnacht, Halbe-Schweine-Wettgrillen und zum Schluss noch ein Besuch im Dös'chen. Hurra!!!!


Ernsthaft, Freunde – Dieses Klischee passt auf die meisten Männer genau so wenig wie das hierzulande gängige Frauenbild auf die Damen. Hoffe ich zumindest inständig.


In diesem Sinne: Habt euch immer schön lieb, aber lasst euch nicht für dumm verkaufen!

Liebe Grüße

 

Euer Ano

 

 

Wir sind das Volk!

Die Mauer muss weg!“...

...so hieß es bei Facebook und in den Medien in den letzten Tagen von fast allen Seiten. Das Mauer-Provisorium aus Holz und Pappe, welches am Fildersteg errichtet wurde um die Wiedervereinigung der beiden Stadtmauer-Teile des Westwalls zu simulieren, stieß auf breite Ablehnung. Zuerst waren es die Anwohner und Geschäftsleute aus der Innenstadt, die lautstark einen sofortigen Rückbau und das Abrücken von der geplanten Baumaßnahme forderten, weil der Verkehr mit solch einer Mauer über Gebühr behindert würde, ja sogar zum Erliegen käme. Und wenig später schlugen auch Eltern von Schul- und Kindergartenkindern Alarm, die ihre Sprösslinge einer neuen Verkehrsgefahr ausgesetzt sahen.

Die Obrigkeit reagierte. Mitglieder des Stadtrats machten sich selbst ein Bild von der Verkehrssituation vor Ort und beschlossen noch an Ort und Stelle, dass sofort etwas unternommen werden müsse. Der Westwall wurde kurzerhand zur verkehrsberuhigten Zone umgewandelt, wo Fahrzeuge nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen und Fußgänger absoluten Vorrang haben. Als ich von dieser Nachricht erfuhr, erschien sie mir logisch und richtig. Der Stadtrat entscheidet jetzt, ob das Provisorium wieder zurückgebaut wird und in der Zwischenzeit ist schon mal für Sicherheit gesorgt.

Der Aufruhr in der Bevölkerung lässt indes nicht nach. Mindestens drei „Shitstorms“ mussten die Verantwortlichen der Stadt allein bei Facebook schon über sich ergehen lassen. Mal unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Idee der Mauer an sich auch sein möge, mittlerweile hat man den Eindruck, dass nun jede Entscheidung, die getroffen wird, bis ins kleinste in den sozialen Medien ausdiskutiert wird, wobei leider in manchen Fällen mit persönlichen Angriffen nicht gerade sparsam umgegangen wird. Interessant ist hierbei, dass sowohl die Errichtung der Mauer mit Spott und Häme kommentiert wurde, als auch der geplante Rückbau. Stehen lassen wäre auch falsch, also haben die Verantwortlichen im Prinzip gar keine Chance mehr, es richtig zu machen. Dumm gelaufen!

Als begeisterter Hobbybuddhist und bekennender Pragmatiker verstehe ich die Aufregung gar nicht. Jemand hat eine Idee, er probiert sie aus, sieht vielleicht, dass sie nicht so toll war und lässt es einfach wieder sein. So mache ich das dauernd. Ohne Ausprobieren entstehen keine guten Dinge. Und manchmal gibt es einfach ein paar Beulen (im Image) wenn man etwas wagt.

Und die Moral von der Geschicht‘: Politiker, unterschätz‘ den Bürger nicht. Denn: Big Bürger is watching you!

Also ich mache das auch mit den Ano-Artikeln so: Erst stelle ich sie ins Netz – sozusagen als Test - und wenn mir in den folgenden Tagen keiner mit dem Kadi oder schlimmeren Dingen droht, dann kommt das Gesülze halt in die nächste Ausgabe von Xanten Live. Sicher ist sicher.

Schönen Winter noch!
Euer Ano


PS: Wieso werde ich den Verdacht nicht los, dass ich spätestens nächste Woche einen zweiten Teil von diesem Artikel schreiben muss...?

 

 

10 Jahre Xanten Live

Wilfried Meyer ist Schuld – und Ano muss es ausbaden

Der geneigte Leser wird sich beim Erblicken der Überschrift fragen: „Was hat Wilfried Meyer, Leiter des FZX, mit der Entstehung von Xanten Live zu schaffen?“ Nun, dies ist ganz einfach: Es begab sich aber zu der Zeit, in der Thomas Költgen als Redakteur für eine Kundenzeitung des Freizeitzentrums tätig war und zu diesem Zwecke ein Gespräch mit ebendiesem Herrn Meyer führte, der in einem Nebensatz die denkwürdigen Worte sprach: „Man müsste ein Medium haben, in dem fürderhin regelmäßig über die Geschehnisse und Veranstaltungen zu Xanten berichtet werden solle.“ Dieser Satz nun wollte nicht mehr aus dem Kopf des eifrigen Dichters und Silbendrechslers entweichen und fortan konnte sein Geist nichts anderes mehr denken. Flugs nahm er den Fernsprecher zur Hand und kontaktierte seine Mitstreiterin Angelika Horlemann, ihres Zeichens Meisterin der graphischen Künste, und trug ihr seine Idee vor, eine Stadtzeitung herauszubringen, die alle drei Monate erscheinen möge und an alle Haushalte in der heiligen Stadt verteilt würde. So trug es sich zu gegen Mitte August im Jahre des Herrn 2003. Und nur drei Monde später ward die erste Ausgabe der Schrift „Xanten Live“ gedruckt und verteilt.

Soviel zu unserer ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte von 2003. Nun ist Wilfried Meyer mit seiner unbewussten Ingangsetzung der Idee nicht der einzige Schuldige am Entstehen von Xanten Live. Ein Großteil entfällt auch auf die beiden Gründer des Magazins, die anfangs dumm genug waren, wider besseren Wissens, keine Machbarkeitsstudien für das Projekt in Auftrag zu geben. „Wir probieren es einfach aus, und wenn es nicht klappt, lassen wir es wieder sein.“ war die Devise. Böse Zungen behaupten es klappt bis heute nicht – noch nicht einmal mit dem sein lassen hat es geklappt. Daher hält der treue Leser jetzt die vierundvierzigste Ausgabe in der Hand und über zehn Jahre fanden sich immer wieder genug interessante Themen und meistens auch genug Anzeigenkunden, die das ganze Unterfangen Xanten Live gefüllt und finanziert haben. Die Herausgeber sind mittlerweile so alt geworden, dass sie endlich zur Kernzielgruppe ihres Stadtmagazins gehören und Zuwachs haben sie vor gut drei Jahren auch bekommen. Sabine Wassermann ist seit 2009 mit im Boot. Ein Marketing-Experte würde das so formulieren: In nur sieben Jahren konnte die Belegschaftsstärke um 50 Prozent gesteigert werden (von zwei auf drei Personen).

Ach ja und da gibt es ja auch noch mich, Ano van Nym, den guten Geist der Redaktion. Aber leider zähle ich nicht, denn ich bin nur eine erfundene Figur. Ein Charakter ohne Körper. Bekomme kein Gehalt, habe keinen Schreibtisch, keinen Urlaub und keinen Firmenwagen. Von Zeit zu Zeit lässt man mich aus meiner Flasche heraus und ich darf mein angestautes (oder angestaubtes) Gesülze von mir geben. Seid mir also gegrüßt, ihr geduldigen und treuen Freunde unserer kleinen aber feinen Stadtpostille.

Auf die nächsten zehn Jahre!

Euer Ano

 

 

"Burger-Begehren" in Xanten

Abschließende Worte eines erfundenen Charakters zum Top-Sommerloch-Thema dieses Jahres

 

„Ich wollte nicht. Aber ich muss! Denn wenn ich es nicht mache, dann macht es ja eh ein anderer.“ So, oder so ähnlich haben wohl die gefühlten 1,5 Millionen Xantener, Exil-Xantener und Nicht-so-ganz-Xantener gedacht, die sich bislang schon über die Fast-Food-Thematik öffentlich geäußert haben. Egal ob bei Facebook, bei Twitter, in lokalen Tageszeitungen und Wochenblättern oder sogar im Fernsehen: Es gab einen bunten Reigen von Pro- und Contra-Argumenten. Von der wohlgefüllten Stadtkasse durch mehr Gewerbesteuer über Arbeitsplätze, dicke Kinder, vermeintliche Müllberge und tote Igel bis hin zur generellen Rettung der Erde durch einzelne Xantener Politiker fand man Thesen und Antithesen mit mannigfaltigen Facetten.

Ganz dumm: Viele waren zwar für den Burger-Brater in unserer Stadt, aber gegen den geplanten Standort, was die Fronten aufweichte. Sehr viel „Ja, aber...“ in der Diskussion. Der eine oder andere fragte sich: „Wogegen bin ich jetzt eigentlich genau....?“ und war sich dennoch sicher: „Ich bin erst mal vorsichtshalber dagegen.“ Dann gab es noch einige sinnvolle und weniger sinnvolle Alternativ-Vorschläge für einen Standort in Xanten. Ach ja, und dann ist ja kurz vor der Wahl auch noch das Image der Parteien wichtig, die sich anstrengten, möglichst positiv aus dem Dilemma des Bürgerbegehrens herauszukommen. Das Begehren der Xantener Burger – äh – Bürger ist vorläufig vom Tisch und das stört auch wieder eine Menge Xantener. „Wie man et macht, isset verkehrt.“

Eine schwierige Thematik gepaart mit persönlichen Präferenzen einiger Individuen untereinander gaben reichlich Grund für Zoff und (verbaler) Klopperei, die an einigen Stellen alberne wie verletzende Auswüchse hatte. Vorläufiger Höhepunkt war die Androhung der Kastration eines Mäc-Befürworters. Freilich anonym, denn sonst müsste man ja für sein Gesülze gerade stehen und die Konsequenzen tragen.

Ganz schön verdrießlich, die ganze Angelegenheit. Aber ich wäre nicht der Ano, wenn ich nicht doch etwas Positives aus der ganzen Sache heraus ziehen würde, gell?

Ich fasse nunmehr abschließend zusammen:

1.       Wir haben Einblick in die Psyche einiger Xantener Bürger erhalten und konnten Rückschlüsse ziehen. Was uns schlauer machte.

2.       Wir haben gemerkt, dass die Xantener kämpfen, wenn sie es für nötig halten. Was uns härter machte.

3.       Wir hatten den ganzen Sommer etwas, über das wir reden konnten. Was uns kommunikativer machte.

4.       Wir hatten besonders bei Facebook eine Menge zu lachen über die teilweise irrwitzigen Diskussionen. Kostenlose Comedy vom Allerfeinsten. Na ja, bis es dann irgendwann doch nur noch nervte.

5.       Wir blieben von anderen langweiligen Sommerloch-Themen weitgehend verschont, weil der Burger omnipräsent war und in der Presse keine Götter neben sich duldete.

6.       Wir wissen jetzt, dass eine Stadt auch ohne McDonald’s überleben kann. Fragt sich nur wie lange...

Ich resümiere frei nach Asterix: „Die ganze Welt ist von McDonald’s besetzt. Die ganze? Nein, eine kleine, unbeugsame Stadt am Ufer des Rheins trotzt dem Eindringling noch immer.....“

Man könnte echt Lust auf Wildschwein bekommen, oder?

 

Guten Appetit!

Euer Ano 

 

 

 

Achtung - Elektro-Rentner!

Manchmal bin ich ja auch Radfahrer. Da wird das verstaubte Puch-Freiheit-und-Abenteuer-Rad aus dem Abstellraum geholt und los geht’s zu lustigen kleinen Touren um Xanten herum. Ich glaube, dass ich für mein Alter noch ganz schön Gas gebe, mit meinen 21 Gängen. Früher waren es Mofas und Rennräder, die mich überholt haben. „Normale“ Velos weniger, denn wie gesagt, ich bin ja immer hurtig unterwegs um schnell mein Ziel (meistens ein gastronomisches) zu erreichen.

Aber seit einiger Zeit fährt mir spätestens alle zwei Minuten der Schreck in die Glieder. Pfeilschnell zischt eine recht neue Spezies von Zweirädern an mir vorbei, die man von hinten nicht kommen hört. Nein, ich meine keine Segways – die Rede ist vielmehr von gemeingefährlichen „Elektro-Rentnern“ auf ihren Akkugetriebenen Dumm-Dumm-Geschossen. Ohne vorwarnendes Klingeln rauschen sie in Haaresbreite an mir vorbei – und sei der Fahrradweg auch noch so schmal. Rücksichtslos wird alles versägt, was unter 100 Stundenkilometer schnell ist. Die Geräte, mit denen diese Desperados fahren, sind toll. Würde ich mir manchmal auch wünschen, ohne große Anstrengung etwas schneller unterwegs zu sein. Aber beherrschen sollte man so ein Ding dann aber schon.

Gibt es eigentlich eine Statistik, wie viele unsichere und möglicherweise nicht mehr so reaktionsschnelle Fahrer/innen sich mit diesen Katapulten schon um den Baum oder sogar um den vorausfahrenden Radfahrer gewickelt haben? Gibt es einen Grund, warum man für ein Mofa einen Führerschein machen muss, aber für so ein Pedelec nicht, obwohl man damit locker die Schallmauer durchbrechen kann? Steht vielleicht in der Gebrauchsanweisung von so nem Din drin, dass man uneingeschränkte Vorfahrt hat? Muss wohl so sein, anders kann ich es mir nicht erklären, warum die dauernd versuchen, meine Kinder damit platt zu fahren oder mir im Vorbeifahren das Bein zu amputieren.

Na ja, muss man wohl in Zukunft mit fertig werden. Denn die Verkaufszahlen steigen ja. Und wenn Aldi mal wieder son Teil im Angebot hat, rate ich euch allen, die Radwege die nächsten drei Wochen zu meiden, bis die Elektro-Rentner das Übungsstadium überwunden haben.

Schönen Restsommer noch – und Vorsicht im Straßenverkehr!

 

Euer Ano

 

 

 

 

Ich kandidiere!

Von und mit Ano van Nym

 

Die Nachricht schlug ein wie eine Granate: Bürgermeister Strunk dankt ab und macht damit den Weg frei für ein neues Stadtoberhaupt. In meiner frühesten Jugend hatte ich einen brennenden Wunsch: Ich wollte Bundeskanzler werden. So wie Helmut. Nein, nicht der Dicke, sondern damals noch der Kettenraucher aus Hamburg. Jetzt bin ich, wie Herr Strunk, knapp unter 50 und es könnte die letzte Chance sein, noch zu diesen Ehren zu kommen. Das Amt des Xantener Bürgermeisters soll mir hierfür ein Sprungbrett bieten. Denn hat man erst mal das Zepter der Dom-, Römer- und Siegfriedstadt in der Hand ist es zur Merkelablösung sicher nicht mehr weit.


Darum höret, liebe Xantener meine Gründe, warum ihr mich 2014 zum Xantener Kanzler wählen MÜSST:

  1. Ich verspreche euch, dass euch immer vorher Bescheid geben werde, wenn ich lüge!

  2. Die Sonsbecker Straße wird jetzt sofort fertig!

  3. Jeder Xantener Bürger, der eine Beschwerde vorzubringen hat, wird mit sofortiger Wirkung zum ehrenamtlichen Beigeordneten bestimmt und mit der vollständigen Behebung des entsprechenden Missstandes beauftragt.

  4. Die Ratsmitglieder werden verpflichtet, nach jeder Sitzung gemeinsam in einem Xantener Lokal ihrer Wahl ein Versöhnungsbier zu trinken. Auf Wunsch natürlich alkoholfrei und/oder isotonisch.

  5. Jeder Hundehalter ist verpflichtet, die Sch.... seines besten Freundes von öffentlichem Grund säuberlich zu entfernen.

  6. Es werden ausschließlich parteilose Ratsmitglieder zugelassen, die nur ihrem eigenen Gewissen und dem Mandat ihrer Wähler verpflichtet sind.

  7. Jeder Xantener ist verpflichtet, alle Xanten Live Artikel zu lesen (es werden stichprobenartig Verständnisfragen gestellt). Dies geschieht zum Wohle der Bevölkerung.

  8. Mindestens einmal im Jahr muss jeder Xantener Politiker laut und in aller Öffentlichkeit über sich selber lachen.

  9. In der Arena des APX finden monatlich Rock-, Pop-, Klassik- und Hip-Hop-Konzerte statt (es herrscht allerdings Schlager- und Volksmusikverbot). Im Vorprogramm dieser Konzerte werden öffentlich die Bürger den Löwen zum Fraß vorgeworfen, die gegen Punkt 5 verstoßen haben. Damit folgen wir einer 2.000 Jahre alten Xantener Tradition.

  10. Bei den Ü30- und Ü40-Partys im Schützenhaus werden Ausweiskontrollen eingeführt.

  11. In allen Xantener Schulen wird Santes-Platt als dritte Fremdsprache erteilt.

  12. Die Sex-Vergnügungssteuer wird wieder abgeschafft, stattdessen werden vom Landhaus im Dös'chen Freikarten an alle männlichen Xantener Bürger über 40 vergeben.

  13. Die Menge der kostenlos bereitgestellten Erdnüsse im Weihnachtsmarkt-Tipi ist ab sofort zu verdreifachen.

  14. Xantener Bürger und Gäste der Stadt erhalten ein verbrieftes Recht auf eine Sauna, ein Schwimmbad, ein Kino, eine Discothek sowie einheitliche Ladenöffnungszeiten und mindestens 200 Sonnentage pro Kalenderjahr.

  15. Humorlose Xantener erhalten kostenlose Lachseminare, die zwei Mal wöchentlich von Cindy aus Marzahn durchgeführt werden.

  16. Jeder Xantener Bürger bekommt seine eigene geschlossene Facebook-Xanten-Gruppe in der er sowohl Admin als auch einziges Mitglied ist.

  17. Ich gelobe, als Bürgermeister keine Reden zu halten, die länger als 10 Minuten dauern.

  18. Üble Nachrede, Verleumdung und Rufmord werden ab sofort durch einfaches Lästern ersetzt.

  19. Der „Hafen Xanten“ wird an den großen Markt verlegt. Die Orkstraße ebenfalls.

  20. Letzter Punkt: Mein Amtsvorgänger wird an seinem letzten Arbeitstag in Xanten vor dem Dom eine Linde pflanzen.

Ihr seht, liebe Xantener, ihr kommt um mich als neuen Bürgermeister nicht herum. Gegen diesen 20-Punkte-Plan ist kein Kraut gewachsen. Wählt mich also bitte alle, dann bedanke ich mich bei jedem einzelnen persönlich mit Handschlag. Ich verspreche, dass ich mich selbst nicht in die Belange der Stadt einmische, sondern alle Amtshandlungen an meine zahlreichen Stellvertreter delegiere. So bleibt mein Image – und damit das der Stadt – immer blütenweiß, weil ich selbst keine Fehler machen kann. Wenn ihr nach meiner Wahl der Meinung seid, ich würde mein Amt gut erfüllen, nehmt bitte Abstand davon, mir kleine oder große Geschenke zu machen, denn als Bürgermeister darf ich nichts annehmen – noch nicht einmal Vernunft.

Unserem designierten Ex-Bürgermeister wünsche ich von Herzen viel Glück und Erfolg bei seiner neuen Tätigkeit für die er bestens gerüstet ist, denn mit Kies, Wasser und Beton hatte er in Xanten ja schon genügend Erfahrungen.

Ich wünsche euch einen schönen Sommer.

Euer zukünftiger Bürgermeister

Ano van Nym

 

Rechtlicher Hinweis: Es handelt sich bei diesem Artikel um Satire. Das bedeutet, dass der Wahrheitsgehalt der hier aufgestellten Behauptungen relativ gering ist – etwa so wie in einem durchschnittlichen Kommunalwahlkampf.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sonsbecker Straße - Eine der letzten echten Herausforderungen für den Autofahrer

Ich bin ja schon viel ruhiger geworden. Möchte nicht wissen, wie ich vor zwanzig Jahren auf die Baustelle „Sonsbecker Straße“ reagiert hätte. Damals habe ich noch geraucht, war innerlich nicht so ausgeglichen wie heute und das Ganze hätte sicherlich ein schlimmes Ende für meine Gesundheit genommen. Aber auch jetzt war ich noch, sagen wir mal „leicht angespannt“, als ich neulich versucht habe, den Schuhkarton mit den Quartalsbelegen zu meiner Buchhalterin zu bringen, die ihr Büro an der Sonsbecker hat.

 

Beim ersten Anfahrtsversuch hatte ich mein Ziel zwar fest im Auge, musste aber daran vorbei fahren, weil die Einfahrt nicht nur versperrt, sondern überhaupt nicht mehr da war. Stattdessen fand ich dort ein großes Loch vor. Zu groß und zu tief für meinen kleinen Smart. Zweiter Versuch: Von hinten auf den Parkplatz von REWE. Dann zu Fuß mit Schuhkarton Richtung Büro. Mist! Ein gigantischer Sandhaufen mitten im Weg. Man kam nicht mal zu Fuß daran vorbei. Zurück zum Auto.

Vor dem dritten Versuch hatte ich eine neue Strategie. Einfach auf den Hof von Bus-Verhuven fahren, dort das Auto parken, den Schuhkarton untern Arm klemmen, die Buchhalterin mit dem Handy anrufen und dann „schwupp“ übern Zaun damit. War gespannt ob das klappt. Die Spannung stieg die nächsten zehn Minuten noch weiter, weil ich erst mal auf den Traktor mit Anhänger warten musste, dessen Kippvorrichtung sich zunächst im Minutenzeigertempo nach oben bewegte, um eine enorme Menge Kies gaaaaanz vorsichtig und langsam an die Stelle zu entladen, wo bei meinem ersten Versuch noch das Loch vor der Einfahrt war. Dann senkte sich diese Kippvorrichtung wieder – diesmal gefühlt im Stundenzeigertempo. Schließlich fuhr das Gespann von dannen und ich konnte endlich auf den Bus-Hof fahren.

Hurra, ein Parkplatz. Jetzt den Schuhkarton wieder untern Arm geklemmt, mit dem Handy die junge Dame angerufen, die mir die wichtige Fracht am Zaun abnehmen sollte – Tuuut, tuuuut, tuuut – warum geht die &%$§>#**§$ jetzt nicht ran!???! Fünf Minuten gewartet, ein neuer Versuch. Diesmal geht sie ran und schwingt sich auch sofort über den Hof, eilt zum Zaun, ich werfe ihr den Schuhkarton zu und er landet sicher in ihren Armen. Vor allem deshalb, weil ich immer einen Eimach-Gummi drum mache. Ein Gefühl sag' ich euch – wie wenn ein Basketballer mit der Schluss-Sirene noch einen Dreipunktewurf versenkt. Ein richtiges Erfolgserlebnis!

Zufrieden setze ich mich in den Smart, werfe meinen Dreizylinder an und rolle, ein fröhliches Liedchen auf den Lippen, wieder auf die Sonsbecker. Winke noch mal meiner netten Buchhalterin zu, die meinen Schuhkarton liebevoll im Arm hält. In dem Moment fällt mir auf, dass ich den Leitz-Ordner mit den Eingangsrechnungen ja eigentlich auch mit abgeben musste. Mist! Zurücksetzen ging nicht, weil hinter mir schon wieder so ein Trecker mit Langsamkippanhänger anrollte. Also das Ganze noch mal von vorn...

Fazit:

Ein Schuhkarton, ein Leitz-Ordner, drei Kilometer Weg – 48 Minuten! Und die Moral von der Geschicht‘? Ich predige hier ja immer Gelassenheit, aber irgendwann kriegt auch der ruhigste Zeitgenosse mal so richtig die Pimpernellen. Also Freunde: Zwischendurch immer mal wieder ab in die Hees zur Urschrei-Therapie. Brüllt ihn raus, den Frust. Last die Bäume wackeln und dann, wenn ihr euch wieder beruhigt habt, müsst ihr euch als Autofahrer einfach nur dreimal laut vorsagen: „Den Ladenbesitzern und Anwohnern an der Sonsbecker Straße geht’s noch viel schlimmer als mir.“ Das hilft bestimmt.

Nach dem Umbau wird es ganz wunderbar. Bestimmt! Großes Indianer-Ehrenwort!!! Und bei dem Arbeitstempo, das hier vorgelegt wird, ist bestimmt in ein paar Jahren schon alles fertig. Also Kopf hoch, liebe Xantener! 

Euer Ano

 


 

Dubbel oder Knifte?

 

 

Sprachkurs für Nicht-Niederrheiner und solche, die es werden wollen - Teil 1

Von Ano van Nym

Der eine oder andere Tourist wird sich sicher schon über die manchmal etwas verquere oder sonderbare Art und Weise gewundert haben, wie sich der Niederrheiner an sich und insbesondere der Xantener so ausdrückt. Die eigentliche niederrheinische Mundart - das "Platt" wird heute nur noch selten "pur" gesprochen, aber zum einen haben sich viele Ausdrücke des Plattdeutschen (das übrigens hier in fast jeder Ortschaft anders gesprochen wird) in die heutige Umgangssprache herüberretten können und außerdem kamen Elemente aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden dazu, unsere netten Nachbarn färbten also kräftig auf uns ab.

Auch das Plattdeutsche enthält viele niederländische Elemente und hört sich für einen Außenstehenden ähnlich an, außer dass beim Niederrheiner die für den Holländer so typischen Würgelaute beim Sprechen meist ausbleiben.

Das Wichtigste zuerst Schluss mit der Theorie - wir gehen gleich ins Eingemachte. Fangen wir bei unserer Heimatstadt an. Xanten wird zwar Xanten geschrieben aber Zanten gesprochen. Gebürtige X/Zantener wissen das. Und auch der Bürgermeister hat sich das nur abgewöhnt weil er eben der Bürgermeister ist. Der kriegt das übrigens mit dem Hochdeutsch recht gut hin - andere von uns tun sich da wesentlich schwerer. Wer mit dat und wat aufgewachsen ist, der legt dat nur sehr schwer wieder ab. Muss er auch nicht, denn Lokalkolorit ist mittlerweile sogar in der großen Politik wieder en vogue.

Was Regeln betrifft, so ist es bei der niederrheinischen Umgangssprache einfach oder kompliziert. Je nach dem von welcher Seite man das sieht. Ist man hier aufgewachsen, kommt einem vieles total logisch vor, bei dem der Auswärtige fassungslos den Kopf schütteln muss. Hier ein paar grammatikalische Beispiele: Es gibt im Deutschen vier Fälle. Einen davon tun wir gleich mal weg, und zwar den Genitiv. Gibbet hier nich! Das Auto des Bürgermeisters heißt einfach "Dem Strunk sein Auto". Fertig. Dativ ist sowieso viel besser. Und Akkusativ ist sogar so viel besser, dass er auch da eingesetzt wird, wo er gar nicht hingehört. Wegen meiner stattlichen Körperlänge ruft man mich hier nicht "Hallo Langer" sondern "Ey Langen". Der Erwin iss en echt Lustigen. Und der Erwins Sohn, dat iss dem Erwin sein Kurzen. Anders rum wird auch der Nominativ dort gebraucht, wo er nicht hingehört: Wer hört dat Fahrrad? Ist nicht etwa die Frage nach dem Vernehmen des Fahrgeräusches sondern nach dem Besitzer (Wem gehört das Fahrrad?). Klingt kompliziert - ist es auch. Denn man kann jetzt nicht einfach die Fälle vertauschen wie man gerade mag. Denn das würde dazu führen, dass einen die Eingeborenen in Sekundenschnelle als Nicht-Niederrheiner identifizieren. Also Vorsicht, Fremder - äh - Fremden: Nachmachen zwecklos.

Vokabeln

Hier ein paar Highlights mit denen man als Niederrheiner so durch die tägliche Kommunikation kommt:

  • Schmutzpuckel - Lügner, Betrüger, Nepper, Schnäpper, Bauernfänger (also der Inbegriff des Bösen)
  • Stuten - Nicht etwa die Mehrzahl vom weiblichen Pferd sondern ein süßes Weißbrot, auch mit Rosinen oder zu Sankt-Martin als Stutenkerl (Weckmann)
  • Dubbel - Eins der Hauptnahrungsmittel des Niederrheiners. Aus zwei Brotscheiben mit Belag bestehendes Sandwich. Vorzugsweise Weißbrot bzw. Stuten (siehe oben) mit Schwarzbrot und dazwischen eine Scheibe Käse und "Kraut" (= Zuckerrübensirup). Lecker! Ein Dubbel geht aber auch mit jedem anderen Belag.Etwas weiter Östlich von uns wird der oder das Dubbel auch Knifte genannt. Und Omma sacht dazu "Bütterken".
  • Gescheit - "Jez ersma wat Gescheites zu Essen" bedeutet nicht etwa, dass der Niederrheiner intelligentes Essen bevorzugt. Gescheit ist zu übersetzten mit "richtig/anständig".
  • Teich - Hier ist nicht der kleine See gemeint, sondern das Rohmaterial für Brot und Kuchen. Das g am Ende wird vielfach durch ch ersetzt. Zum Beispiel auch bei Könich, Berch, Zeuch, Tach usw.

Der echte Teich (also diesmal der kleine See) wird hier meistens Loch genannt, weil fast alle Teiche am Niederrhein Baggerlöcher (Kiesabbau) sind.

Silben sparen

Wir hatten ja nichts nach dem Krieg. Sogar die Silben wurden am Niederrhein rationiert und davon haben wir uns bis heute nicht erholt. Wo anderenorts ausgeschmückt wird, besonders z. B. im Südwesten der Republik, achtet man bei uns darauf, alles möglichst zu vereinfachen, Aus zwei Wörtern wird eins (hömma, kumma, kannze, willze...) Und Silben werden gerne verschluckt. Wie in dem schönen Wort "Naamt" (guten Abend - aus vier Silben wird eine). Besonders sparsam: Jemand kommt zu einer größeren Runde dazu, sagt: "Naamt, ich mach ma so..." und klopft dreimal auf den Tisch. Mit diesem allseits bekannten Ritual erspart er sich, sämtliche Gäste per Handschlag zu begrüßen. Unter Freunden begrüßt man sich noch einfacher. Man nennt einfach kurz den Vornamen. Treffen sich zwei Xantener: "Erwin" - "Willi" - "Wie isset?" - "Et muss!, un selbs?" - "Och joh" - "Schüss". Das ist Smalltalk in Perfektion - das kann keiner so gut wie wir! Aber nur Männer. Frauen verschwenden jeden Tag selbst hierzulande hemmungslos das Sechseinhalbfache an Wörtern wie Männer!

Zum Schluss noch ein paar besondere Auswüchse: Der Niederrheiner kennt im Gegensatz zu anderen deutschen Bevölkerungsgruppen eine Gegenwart-Verlaufsform. "Ich bin am telefonieren." Wir Einheimischen können uns nur ansatzweise vorstellen wie weh das einem Außenstehenden tun muss. Obwohl - zumindest die Zeitgenossen aus dem Ruhrgebiet können das auch. Überhaupt gibt es am Niederrhein eine Grammatik, die hierzulande schmerzfrei vorgetragen werden darf, anderenorts aber zu strafrechtlicher Verfolgung führen würde: Man kann zum Beispiel ruhig sagen "Ich bin angefangen". Das geht manchmal sogar bei Diktaten im dritten Schuljahr ungeahndet durch. Genau so wie "größer wie...". Die Tür ist hier am Niederrhein nicht geöffnet oder offen, nein, sie ist "los". Aber keine Angst, sie fällt nicht aus den Angeln, sondern sitzt noch ganz fest. Schnell sind die Niederrheiner auch. Wenn andere gehen, dann laufen wir, wo anderswo gelaufen wird, heißt es bei uns rennen. Wenn man also auf ne Runde Laufen inne Hääs eingeladen wird, ist eher Lodenmantel und Spazierstock als Jogging-Outfit angesagt. Manchmal gibt es bei uns sogar Wörter für Sachen, die gar nicht (mehr) da sind. Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise der Mann mit dem abben (oder appen) Bein. Ganz pragmatisch: Das Bein ist halt ab. Punkt. Weitere Besonderheit, die es nur hier gibt: Das "Doppel-Ä". Wird nicht nur in Ortsbezeichnungen wie Hääs und Bääk gebraucht, sondern kommt auch im Hausflur vor. "Dääl" heißt dat. Und statt nein sagen wir kurz Nää. Nicht zu verwechseln mit Nä (kurzes ä) - das meint nämlich soviel wie "nicht wahr?" oder "gell?". Ein nä? kann wahlweise gleichwertig durch ein wa? ersetzt werden. Nur bitte nicht woll?, dat iss Westfaaln.

So, das soll es nun gewesen sein mit meinem kleinen Sprachführer für den unteren linken Niederrhein. Dummerweise hilft der nur hier am Ort und vielleicht im Umkreis von 20 Kilometern weiter. Denn wer weiter weg zu Hause ist, der spricht schon wieder anders. Entweder Holländisch oder diesen furchtbaren Ruhrpott-Slang, der sich unglaublicherweise für einen Außenstehenden exakt genau so anhört wie unser schöner Niederrheinischer Dialekt. Unfassbar!

Euer Ano

 

 


 

Ich krich en strammen Max!

Sprachkurs für Nicht-Niederrheiner und solche, die es werden wollen – Teil 2 
(ihr habt es so gewollt!)

Anscheinend haben wohl eine Menge Leute die Redaktion angesprochen, ob und wann denn der zweite Teil von Anos Sprachkurs kommt. OK, ich bin nicht der Typ, der sich lange bitten lässt. Hier ist also die Fortsetzung: 

Groß, größer, Kaventsmann!

Vielleicht weil wir hier am Niederrhein weder hohe Berge noch große Häuser haben, gibt es besonders schöne Größenbezeichnungen. „En ganz schöner Ömmes“ beschreibt etwas Großes. En Bullermann ist noch eine Nummer größer, en Riesenprengel legt noch eins drauf und der Gigantismus schlechthin ist der Mords-Kaventsmann. dieses Wort findet sich sogar bei Wikipedia. Es handelt sich um eine Riesenwelle (so eine Art Tsunami). Deshalb hört man vielleicht des öfteren auch von Anglern „ich hab soooooon Kaventsmann rausgezogen“, wobei zur bildlichen Größenangabe oft beide Arme nicht ausreichen.

Dem Ärger Luft machen

Gern genommen in der täglichen Umgangssprache am Niederrhein: Schimpfwörter und kleine Beleidigungen. Hier unsere Hitliste:

Ferkeskopp, Flabes, Heiopei, Graupe (= Verlierer) und Schmutzpuckel (= Betrüger) sind mittelstarke Beschimpfungen, mit denen man hier immer gut ankommt. Wem etwas nicht passt, der sagt: „Dat kann ich nich haben.“ und wer sich vor etwas ekelt: „da bin ich fies für/vor“. Eine universelle Unmutsäußerung die immer passt: „Ich glaub et hackt!“ und wer wissen möchte, ob sein Gegenüber noch recht bei Trost ist, der fragt: „Hasse se noch alle?“ So, genug gestritten, gez könnta noch wat lernen:

Neulich im Restaurant

Wer als Tourist in Xantener Geschäften einkauft oder hier in Restaurants speist, der könnte mit einigen hierzulande durchaus üblichen Redewendungen leichte Schwierigkeiten bekommen. Deshalb hier mal die häufigsten Formulierungen: Wenn eine Kellnerin an den Tisch kommt und „abhalten“ möchte, dann ist das nichts Unanständiges. Sie will einfach nur kassieren. Missverständnisse können auch umgekehrt entstehen. Der einheimische Gast ruft zu der hübschen aber nicht von hier stammenden Bedienung hinüber: „Frollein, ich krich en Strammen Max!“, darauf sie etwas unwirsch: „Na dann gucken sie doch woanders hin...“. Was der gute Mann wollte, war einfach ein Brot mit gekochtem Schinken und Spiegelei. Die  Wendung „ich krich“ heißt anderswo „ich hätte gern“. Hier ist man halt nicht so höflich und kommt gleich zur Sache. Beim Bäcker zum Beispiel: „Ich krich insgesamt sechs Teilchen“. Hier haben wir es nicht mit einem Physiker zu tun, der eine Anzahl Moleküle bestellt, es handelt sich vielmehr um Plundergebäck. Die Menge wird praktischerweise im Voraus genannt, damit die Verkäuferin sich schnell für die passende Papptablettgröße entscheiden kann. Danach werden dann die einzelnen Teilchen genauer spezifiziert (Berliner, Apfeltaschen, Puddingbrezel, Schweineohren usw....) Das ist doch wiederum freundlich, oder? Der Niederrheiner ist ja auch nicht von Haus aus unfreundlich – nur halt en bissken bott, was sich mit ungehobelt übersetzen lässt. Kommt wahrscheinlich von dem gleichlautenden plattdeutschen Wort für Knochen. Wenn die Verkäuferin danach fragt: „Sonz noch?“ oder „Isset dat?“ dann möchte sie wissen, ob der Kunde weitere Wünsche hat oder nicht. Ach ja, nur zur Vorsicht: Wer im Supermarkt an der Frischtheke ein Pfund Holländer bestellt, der meint Goudakäse. Mit Menschenhandel oder Kanibalismus hat das gottlob nichts zu tun. Selbst hier am Niederrhein gibt es so etwas schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Bissken Grammatik

Eine Eigenart am nördlichen Niederrhein ist das weich gesprochene Doppel-S. Zum Beispiel in dem wunderschönen Wort „Kusselkopp“ (Übers.: Rolle vorwärts). Der S-Laut wird zwar schnell aber nicht scharf ausgesprochen. Lassen Sie sich das als Ausländer mal von einem gebürtigen Zantener vorsprechen, die können das alle! Weitere Wörter dieser Gattung: et fisselt (es nieselt), Brassel (Stress), usselich (nasskalt), oder Dässel (abwertend für Kopf). Manchmal werden auch Wörter auseinander genommen. Zum Beispiel dafür „Da kann ich nix für“ oder dabei „da hab ich mir nix bei gedacht“ was man sogar noch verdoppeln kann „da hab ich mir nix dabei gedacht“. Selbst vor Gegensätzen macht der handelsübliche Niederrheiner nicht halt – z. B.: „Komm geh!“ oder „Ja näääh...“ sind bei uns erlaubt.

Paar Vokabeln noch

Zur besseren Verständigung sollen folgende Wörter und Redewendungen dienen:

  • - Häppken = kleiner Snack
  • - Futtsack = Ärger (meist technischer Natur)
  • - auf Schocklebömm = neudeutsch: on the road
  • - Döppken = kleiner Deckel
  • - döppen = jemanden unter Wasser drücken (von Taufen)
  • - En Furz quersitzen haben = sich unpässlich fühlen
  • - dat sitzt drin = das ist durchaus möglich
  • - dat kann nich = das ist unmöglich

Alles in allem kann man „da et ärme Dier bei kriegen“ wenn man völlig Unwissenden unsere Sprache beibringen soll. Vieles lässt sich nicht logisch erklären weil es aus dem Bauch und aus der Überlieferung heraus gelernt wird. Schön, dass bei uns die Eltern darauf achten, die Niederrheinische Mundart an ihre Blagen (Kinder) weiterzugeben. Als Kind (Blach, in meinem Fall sogar Rotzblach) war ich einmal zu Besuch bei einem Schulfreund, der gerade seinem Vater sein Zeugnis mit einer Fünf in Deutsch präsentierte. Der bölkte (brüllte) zuerst furchtbar auf den Jungen ein, beruhigte sich aber schnell wieder und rief zu seiner Frau in die Küche hinüber: „Lotte, bring mich ma der Pott mit der Kaffee!“ Ich schwöre, die Geschichte ist wahr! Und sie zeigt, dass Schulbildung zwar wichtig ist, aber voll am Leben vorbei geht.

In diesem Sinne mach ich gez mit meine Dönekes (lustige Geschichten) Schluss, weil ich hab nämmich noch Brass (Stress). Davon ab (außerdem) will ich mit die Lektionen hier nich so rumaasen (verschwenderisch umgehen) und noch en Bissken wat für de nächste Folge übberlassen (übrig lassen).

Schüss zusammen

Euer Ano

 


 

Anleitung zum „Nörgeln auf Niederrheinisch“

Hallo Freunde, ich melde mich zwischendurch mal mit einem ganz wichtigen Thema: Nörgeln oder Lästern ist eine der lebenslangen Hauptbeschäftigungen des Niederrheiners. Man muss aber sauber unterscheiden. Manchmal ist das Nörgeln versteckter Humor aber manchmal ist das auch ganz ernst gemeint. Zu dumm, dass man den Unterschied meistens als außenstehender Zuhörer nicht erkennen kann.

Ein Beispiel: Vor einem halben Jahr belausche ich zwei ältere Herren aus Xanten bei folgendem Gespräch: „Boah, kuck dir ma die Scharnstraße an. Ein Loch nach dem nächsten. Die vonne Stadt könnten ja endlich ma wat tun un dat reparierren!“ Darauf der andere: „Jau, dat wird echt Zeit. Auch anne Sonsbecker Straße, genau sonne Kraterlandschaft.“

Vorige Woche treffe ich die beiden Herren erneut und sie unterhalten sich wieder: „Die sin doch bekloppt vonne Stadt, wa? Wat fürn Aufwand die anne Scharnstraße betreiben. Wochenlang ne Baustelle, un wat dat widder kost...“ Die Antwort: „Genau, sön Tinnef! Un dat is doch all widder nur für de Turristen!“

Rein von der Logik her muss man hier als Zuhörer doch annehmen, dass es sich um eine ganz besondere Art von Humor handelt, oder? Ansonsten würde ich mir auch ziemlich Sorgen um den Geisteszustand der beiden machen. Komisch nur, dass die beiden bei den Gesprächen überhaupt nicht gelacht haben und dass man bei beiden die deutlich hervortretenden Halsschlagadern erkennen konnte. Sehr mysteriös das Ganze.

Hier nun ein paar Regeln für das richtige Lästern.

  1. Grundsätzlich bitte immer nur über Leute lästern, die gerade nicht vor Ort dabei sind. Ansonsten könnte die schöne Stimmung durch Gegenargumente gestört werden.

  2. Wenn das behandelte Thema nicht interessant genug für formvollendetes Lästern ist, dann kann durchaus etwas übertrieben oder kreativ dazu erfunden werden. Das dient der Dramaturgie und fördert die Verbreitung der Nachricht. Die reine Wahrheit hingegen verkauft sich meist nur schlecht.

  3. Ebenfalls förderlich für eine schnelle Weitererzählen ist der Zusatz: „Das darf aber außer dir keiner wissen.“ Nur so kann der streitbare Nörgler sicher sein, dass seine „Mässätsch“ schnell in der Stadt die Runde macht.

  4. Lästert man in Gegenwart von Frau A über Herrn B, darf man nicht in Gegenwart von Herrn B über Frau A motzen. Das wäre zu einfach. Schiebt doch einfach Frau C und die Herren D bis F als Zwischenstation ein, damit ein ausgewogenes Verhältnis entsteht und sich die negativen (größtenteils frei erfundenen) Fakten gleichmäßig auf alle verteilen.

  5. Der Umkehrschluss: Ich gehe eisenhart davon aus, dass der Bekannte, der in meiner Gegenwart über einen Freund lästert, wenig später mit einem Anderen Freund zusammen über mich herzieht. Bei manchen Zeitgenossen bin ich da sogar zu 100 Prozent sicher.

  6. Damit über mich selbst möglichst wenig gelästert wird, gebe ich einige meiner kleinen Fehler und Missgeschicke öffentlich preis. Ich erzähle zum Beispiel freizügig über meine Autopanne beim Einparken. Dann stürzen sich die anderen auf diese Bagatelle und vergessen vielleicht, über schlimmere Dinge in meinem Leben herzuziehen. Das ist wie früher beim TÜV. Man lässt absichtlich die kaputte Glühbirne im Scheinwerfer, damit der Prüfer was zu meckern hat und dann vielleicht den undichten Stoßdämpfer nicht sieht... Vielleicht funktioniert es ja.

Aber jetzt mal ganz ernsthaft, Freunde: Lasst es doch lieber ganz. Erzählt euren Bekannten lieber schöne, lustige und positive Dinge, als andauernd zu meckern. Lästern und Motzen macht Falten im Gesicht und ist schlecht fürs Herz. Lachen ist gesund und hält jung – also immer schön fröhlich bleiben!

 

Viel Spaß noch...

Eurer Ano

 

 


 

„Ich bin dafür... nur nicht vor meiner Tür!“

Viele Leute sind gerne mal „dafür“. Die halten vieles für eine gute Idee, finden das eine oder andere ganz toll und lassen sich für so manches schnell begeistern. Das liegt voll im Trend. Positive Lebenseinstellung nennt man das. Tourismus ist zum Beispiel so eine Sache. Da sind viele Xantener eindeutig dafür. Jawoll! Das bringt Kaufkraft in die Stadt, der Einzelhandel und die Gastronomie profitieren und am Ende macht der Tourismus die Stadt interessanter und reicher. Genau so ist das mit der Industrie. Industrie wäre ja so wichtig für unsere Stadt. Große Betriebe müssten her. Die zahlen dann viel Gewerbesteuer und das ist gut so. Feste und Events sind auch klasse. Die bringen Action in die Stadt, man kann schön feiern und überhaupt: Das Ambiente ist ja hier so toll. Fein, wenn ordentlich was los ist und man abends rausgehen und mit Freunden feiern kann. Herrlich!

 

Hört sich alles ziemlich gut an, oder? Manchmal ändern die Leute aber ihre Meinung ganz plötzlich. Dann nämlich, ihr ahnt es bestimmt schon, wenn sie selbst von den negativen Auswirkungen betroffen sind. Für die, die am Westwall wohnen, war die Kirmes zum Beispiel nur so lange prima, wie das Festzelt am Ostwall stand. Als das mal geändert wurde, standen plötzlich alle auf den Barrikaden. Der Lärmpegel war der Selbe, wie in den letzten 30 Jahren, nur halt jetzt vor der eigenen Haustür! Und der Tourismus? Der ist auch nur so lange gut, wie die bekloppten Touris mit dem Auto nicht durch meine Wohnstraße fahren oder mir sonntags im Café meinen Stammplatz wegnehmen. Und wenn dann mal ein größerer Industriebetrieb geplant ist? Nein, das geht ja gar nicht! Die Natur! Der Gestank! Der Krach! Unzumutbar!

Ich hatte ein Mal ein ganz besonderes Aha-Erlebnis dieser Art. Ein Xantener Zeitgenosse, der ein Geschäft in der Innenstadt besitzt, freute sich über ein Stadtfest auf dem Markt. Schön. Das bringt ja Leute in die City und ihm mehr Kunden. Als aber nach Ladenschluss das bunte Treiben einfach nicht aufhören wollte sondern sich bis in den späten Abend fortsetzte, da sah das schon ganz anders aus. „Xanten ist mittlerweile ein einziger Rummelplatz, man findet keine Ruhe mehr!“ Ohne Worte, oder?

Ein Tipp von Ano, dem Hobbypsychologen: Wenn demnächst irgendwas in dieser Art nervt, einfach mal ein bisschen über die positiven Seiten nachdenken. Dazu leise die bekannte Zeile vom Hern Jagger mitsummen: „You can’t always get what you want...“. Dann geht die senkrechte Falte zwischen den Augen bestimmt schnell wieder weg und ein mildes Lächeln macht sich breit :-)

Gutes Gelingen!

Euer Ano

 

 


 

Sch... Technik!

Oder: Wie uns die Elektronik heutzutage bevormundet

 

Also ich fahr jetzt seit 27 Jahren Auto und bin froh, dass in der ganzen Zeit nix Schlimmes passiert ist. Die Autos werden ja auch immer sicherer. Nur leider auch immer nerviger und manchmal sogar unverschämt. Mein Bewegungsablauf ist immer gleich: Einsteigen, Schlüssel rein und Starten, Gurt an und los. Mein neues Auto will das aber nicht so. Sobald ich den Schlüssel rumdrehe, fängt es hektisch an zu piepen weil ich nicht angeschnallt bin. Weil mir das auf den Senkel ging, vor allem morgens, hab ich meinen Bewegungsablauf ändern müssen: Einsteigen, Gurt an, Schlüssel drehen. Hat ne Weile gedauert.... Neulich hat es aber trotzdem wieder hektisch gepiept und gar nicht mehr aufgehört. Ich hatte es nämlich gewagt, meinen Fotokoffer auf den Beifahrersitz zu legen. Das Auto denkt: „Da hockt einer, der nicht angeschnallt ist.“ Und schon geht wieder der Alarm los. Also entweder Tasche nach hinten (Ach nee, ich hab ja nen Smart, der ist ohne Hinten). Also Tasche anschnallen. Iss ja gut, Chef...

Im Büro angekommen wird der Laptop aufgeklappt und der UMTX-Stick fürs Internet reingesteckt. Aber statt mich mit der virtuellen Welt zu verbinden sagt mir mein Display: „Bitte SIM-Karte einsetzen“. Ich schau kurz nach – die SIM-Karte ist drin. Ich steck das Ding noch mal rein. Kommt ne andere Meldung: „Kein Mobilfunk-Gerät gefunden.“ Ich sach: „Hier isset doch, du blöde Kiste. Darauf macht es „palim palim“ und die Verbindung ist hergestellt. Muss man den immer erst laut werden, damit die Technik pariert?

Der kleine Globus unten rechts auf dem Monitor erscheint, ich bin also endlich online. Ich öffne mein Outlook und will meine Emails checken. Da öffnet sich ein Fenster „Outlook funktioniert nicht mehr, wollen Sie das Programm schließen oder warten.“ Ich klick auf schließen. Aber nix tut sich. Auch der bekannte Neustart-Griff funktioniert nicht. Also druck ich auf den Hauptschalter und fahre anschließend die Kiste neu hoch. Das klappt auch aber es prangt wieder die Meldung von vorhin auf dem Bildschirm: „Bitte SIM-Karte einsetzen.“ Ich glaube dieser ganze Mist kostet mich am Ende mindestens fünf Jahre meines Lebens. Die eine Hälfte verplempere ich mit so nem Kram und die andere Hälfte sterbe ich früher, weil die Herzkranzgefäße irgendwann ausgeleiert sind.

Nach dem dritten Versuch endlich im Internet angekommen, versuche ich bei meiner Online-Auto-Direktversicherung meine Adresse und Kontonummer zu ändern. Da kommt die Meldung „Bitte Super-PIN eingeben“. Hab ich nich.... Wat iss dat? Muss ich wohl ma anrufen... Aber es gibt keine Telefonnummer. Selbst auf meiner letzten Beitragsrechnung finde ich keine. Also schicke ich eine Email. Eine Woche später kommt die Antwort per Post: Hier Ihre neue Super-PIN. Die gebe ich dann wieder online ein. Dann kommt ne andere Meldung: „möchten Sie die Super-PIN bestätigen?“ Ich klick auf „Ja“. Und dann, Freunde, hab ich mir echt überlegt, ob ich nicht wieder zu dem Versicherungsvertreter meines Vertrauens um die Ecke gehen soll, der 30 % teurer ist. Denn die nächste Meldung hat mich echt umgehauen: „Bitte zur Freigabe der neuen Super-PIN die alte Super-PIN eingeben.“

Die Xantener Versicherungsvertreter können sich schon mal freuen, denn bei einem von Ihnen werde ich demnächst mal aufschlagen und eine KfZ-Versicherung abschließen. Aber kommt mir bloß nicht mit einem Online-Bonus!!!!

Bis dann,

Euer Ano

 


 

Die Weihnachts-Invasion der "Kannzemas" oder: Wer wird Esel des Jahres?

Eigentlich gibt es sie das ganze Jahr über. Aber immer in der Vorweihnachtszeit scheinen sie sich besonders stark zu vermehren. Ich rede von den Kannzemas! Diese Wesen sind eng verwandt mit den Machssemas und den Tuhssemas und kommen hauptsächlich bei uns am Niederrhein vor. Es handelt sich um nette Zeitgenossen, die selber recht bequem sind und ungeliebte Aufgaben gerne an ihre Mitmenschen aus dem Familien- und Freundeskreis weitergeben.

Das Einfordern dieser „kleinen Gefallen“ wird gerne in einem Satz formuliert, der mit „Kannzema“ beginnt. Zum Beispiel: „Kannzema kucken, ob du bei Aldi morgen früh noch welche von den Kinderhandschuhen krichs, die jetzt im Angebot sind? Ich brauch 6 Paar in Größe XS und 12 Paar in Größe M.“ Die versatile Hausfrau, an die die Bitte gerichtet wurde, weiß jetzt schon, dass sie wohl morgen alle nachfolgenden Termine erst mal getrost um zwei Stunden nach hinten schieben kann. Denn so lange wird es sicher dauern, bis sie mit den 18 Paar Handschuhen siegreich aus der Schlacht am Wühltisch hervorgehen wird. Und vorher muss sie noch zur Bank, denn Frau Kannzema hatte dummerweise den letzten Satz vergessen, der da lauten sollte „Hier hasse schomma dat Geld“. Dumm gelaufen!

Dann kommt sonntags die Schwiegermutter zu Besuch. Das ist ohnehin schon schlimm genug, aber heute besonders, denn sie eröffnet der tapferen Mama ihrer Enkel: „Kannzema kucken nach nem netten Weihnachtsgeschenk für Schangtall und Iwonn? Du weiss doch am besten, wat die sich wünschen. Hier hasse 50 Euro. Aber kauf nich sowat Kleines, et soll schon wat hermachen.“ Und wieder ein ganzer Tag weg!

Aber das sind ja nur die ganz normalen „kleinen Gefallen“, die man im Alltag so aufgeladen bekommt. Wehe aber, wenn man noch irgendwelche besonderen Fähigkeiten hat, die für andere nützlich sind! Wer gut mit Worten umgeht, darf unentgeltlich Taubenzüchtervereinsjubiläumsreden und Hochzeitskartensprüche schreiben (aber nicht son Standardzeug, es soll schon was Besonderes sein). Wer eine Nähmaschine hat und gut damit umgehen kann, bekommt haufenweise verschlissene Klamotten zum kostenlosen Ausbessern und am allerschlimmsten trifft es die Handwerker, die haben nämlich einen enorm großen Freundeskreis, bei dem dauernd irgendwo ein Wasserhahn tropft eine Tür nicht richtig schließt, die Heizung defekt ist und.... und... und...

Oft sind die Kanzemas sogar so schmerzfrei, dass man bei einmaligem Zusagen sozusagen einen Dauerjob hat. Die nächste Anfrage für den gleichen Gefallen beginnt dann mit „Kannzenomma so wie letzte Woche...“.

Hütet euch vor Gesprächen, die so oder ähnlich beginnen: „Sag mal, hast du eigentlich noch diese elektrische Gehrungssäge?“ oder „Wie lang ist eigentlich die Ladefläche von deinem Kombi?“ oder „Wann fährst du denn mal wieder zu IKEA?“. Versteht ihr, was ich meine? Ein falsches Wort jetzt, und ihr sitzt voll in der Falle!

Der Gipfel der Frechheit ist aber, wenn das Aufdrücken einer tagesfüllenden Aufgabe mit dem den Worten „Kannzema eben“ beginnt um von vorne herein herauszustellen wie winzig der angefragte Gefallen doch ist. Oder wenn man sich hinterher sogar noch Kritik anhören muss, wie der junge Mann, der vier seiner tollen Kumpels zum Oktoberfesst fährt, als einziger keinen Tropfen trinkt, nach dem Ende der feuchtfröhlichen Party die „breite Masse“ einzeln zu Hause abliefert und sich am nächsten Tag anhören muss, was er doch für ein Stockfisch sei, weil er ja gar nicht richtig feiern könne. Bravo, der Kerl ist wohl zu gut für diese Welt und somit ein Top-Favorit für den „Esel des Jahres“.

Liebe vorweihnachtlichen Kannzema-Opfer: Lehnt euch auf gegen die Unterdrückung! Lasst euch nicht mit kleinen Päckchen behängen wie der Esel auf unserem Bild! Sagt so öfter mal zum Kannzema „Dukannzmichma“ und denkt mehr an euch und eure eigenen Wünsche. Klar soll man anderen helfen, vor allem wenn es sich um Freunde und Familienmitglieder handelt. Aber wenn ihr das Gefühl habt, ihr werdet ausgenutzt und mit Päckchen behangen, so dass ihr „Esel des Jahres“ werden könntet, dann hört der Spaß auf und es ist ein deutliches „Nein“ angesagt. Und wenn andere von euch sich jetzt vielleicht ertappt fühlen dann und wann mal zum lästigen Kannzema zu werden, dann überlagt mal, ob man die Dinge vielleicht lieber selbst in die Hand nehmen sollte anstatt sie anderen aufzubürden. Gerade in der Vorweihnachtszeit...

 Seid nett zueinander!

Euer Ano

PS: Fallen euch aus eurem Alltag hübsche „Kannzema-Attacken“ ein? Dann postet sie doch auf Facebook. Bei Ano van Nym findet ihr einen Trhead mit der Überschrift „Esel des Jahres“ und dort könnt ihr eure eigenen Geschichten veröffentlichen und/oder nachlesen, wie es euren Leidensgenossen ergangen ist.  

 



Ein neues Xantener Wahrzeichen

Wenn der gute Ano durchs Städtchen zieht, dann hat er fast immer seine Kamera dabei. Es könnte ja mal was Unvorhergesehenes passieren, was unbedingt für die Nachwelt festgehalten werden muss. Aber jetzt, wo es auf den Winter zugeht, tut sich nicht mehr so viel in „Ad Sanctos“. Die Bürgersteige werden rechtzeitig vor Anbruch der Dunkelheit hochgeklappt und die City kuschelt sich zum Schlafen ein.

Aber da, noch ein Lichtschein. Rot und weiß, gleißend, wie ein Signal, das dem durstigen Wandersmann sagt: „Komm näher, Fremder!“ Sollte das ein lohnendes Fotomotiv sein? Vielleicht für den nächsten Xanten-Kalender? Hinter diesem hellen, fast heilig anmutenden Licht kann man schemenhaft die Umrisse des Hafens Xanten erkennen. Freilich nur, wenn man die Augen zusammenkneift. Denn das Licht des neuen touristischen und kulturellen Mittelpunktes der Stadt ist so omnipräsent, als wolle es sagen: „Ich dulde keine Götter neben mir!“

Die Rede ist vom unbemannten Dienstleistungszentrum der Sparkasse, das auf dem Gelände des neuen Hafens ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt darstellt. Wie ein Magnet zieht es die Blicke der Menschen an sich. Man kann sich seiner überirdischen Schönheit nicht entziehen. Selbst wenn man es schafft, im Auto auf der B 57 diesem neuen Gralshort der heiligen Stadt zu widerstehen und einfach nur stur geradeaus schaut, so hallt es doch Sekunden später vom Rücksitz: „Papa, hast du auch dieses gaaaaanz grelle Licht gesehen?“

Bei Tag verliert das monumentale Bauwerk etwas von seiner Dominanz, kann aber dafür mit praktischen Vorzügen aufwarten. Im Sommer nutzen viele Besucher der Hafengastronomie den neuen Treffpunkt um sich in dem klimatisierten Raum Abkühlung zu verschaffen, allerdings nur dann, wenn sie fit genug sind, die schwergängige Eingangstür verletzungsfrei zu passieren. Gerüchte, dass das schmucke Häuschen eine alternative zur Finnwell-Sauna darstellen soll, konnten allerdings vom FZX nicht bestätigt werden. Ebenso ist auch die Behauptung, dass zu langes Betrachten des Lichtes Augenkrebs verursachen kann, wohl nicht haltbar.

Obwohl ich bei meinen Recherchen auf Hinweise gestoßen bin, dass es sich bei dem architektonischen Wunderwerk um einen Geldautomat handeln soll, in dem man per EC-Karte Bargeld (im Sommer auch gut gekühlt) abheben kann, was einen handfesten Nutzen darstellen würde, so maße ich mir keinesfalls an, im Zusammenhang mit so einem exorbitanten Kunstwerk nach einem Gebrauchswert zu suchen. Kunst ist nicht berechenbar, sie muss nicht alltagstauglich sein, keinen Nutzen haben. Sie dient ganz einfach nur zur Ergötzung des Auges und als Anregung zur Diskussion. Der Künstler – in diesem Fall die Sparkasse, wie man an der Signatur erkennt – hat dieses heere Ziel mit Leichtigkeit erreicht. Das Auge, das dieses Bauwerk ein Mal bei Nacht schaute, wird es nie wieder vergessen. Und Diskussion gibt’s auch reichlich über das Für und Wider dieses neuen Xantener Wahrzeichens. Ich getraue mich einmal, heute eine neue Diskussion in Gang zu setzen: Wollen wir es bei diesem einzelnen Highlight belassen, oder wollen wir vielleicht alle zusammen spenden, damit wir ähnliche optische Leckerbissen an anderen frequentierten Plätzen der Stadt erhalten? Vielleicht auf dem neuen (zu) großen Markt, in der Mitte des Kreuzgangs am Dom, vor dem Eingang des Gotischen Hauses oder im Foyer des Römermuseums?

Ich finde, Xanten hätte es verdient, sein Stadtbild mit mehr solcherlei moderner Kunst zu verschönern! Vielleicht einmal in blau!

HURZ !!!

Euer Ano

 

 


 

Anos Gesülze auch bei Facebook!

Hallo Freunde. Kennt ihr das auch? Wenn jemand mit einer neuen Idee oder Erfindung kommt, wird der erst mal ausgelacht, und man erzählt ihm, dass seine tolle Idee unbrauchbar ist. Ich habe mich schon oft dabei ertappt: CD’s brauchte ich nicht, denn ich hatte ja einen Super-Plattenspieler von Technics. Digitalfotografie war völliger Unsinn weil die Qualität des Films ja doch nie erreicht werden kann. Was soll ich mit Emails, ich kann doch Briefe schreiben. Natürlich musste ich all diese Vorurteile später revidieren. Die CD ist mittlerweile genau son alter Hut wie damals die Schallplatte, Digitalfotos haben heute eine weit bessere Qualität als die alten Dias und ohne Internet und Email wäre ich in meinem Job sicher schon seit Jahren pleite.

So ein Bisschen habe ich daraus gelernt. Ich bin offener geworden für Neues. Hab mir ein Smartphone zugelegt und gemerkt, dass das die Arbeit deutlich vereinfacht und ich viel Zeit und Wege dadurch spare weil ich nicht für alles ins Büro rennen muss sondern unterwegs online arbeiten kann. Habe zu Hause das Festnetztelefon abgeschafft und mir stattdessen die Festnetznummer aufs Handy umgeleitet. Mein Kalender ist jetzt auch in meinem Handy drin – und automatisch auch in meinem Bürorechner und im Laptop. Der alte Ano geht also immer mehr mit der Zeit.

Ganz aktuell habe ich festgestellt, dass Facebook doch nicht so furchtbar ist, wie ich anfangs geglaubt habe. Klar, da tummeln sich eine Menge Leute, die viel zu viel Langeweile haben und aller Welt erzählen was sie gerade gegessen haben und ob die Verdauung klappt usw. Aber es gibt bei Facebook auch viele Dinge, die absolut Sinn machen und mir wirklich weiterhelfen. Vielleicht ist das auch für euch interessant: Es gibt eine Gruppe „Wir sind Xantener“ in der Einwohner/innen unserer Stadt über Xantener Themen diskutieren, Bilder zeigen, in Erinnerungen schwelgen und neue Ideen kundtun. Das finde ich klasse! OK, da tummeln sich natürlich auch wieder die Meckerfritzen und Bedenkenträger, die nur Missstände anprangern und sich über dieses und jenes aufregen, aber man glaubt es kaum, in Xanten gibt es auch echt nette Leute, die sich kümmern, die Ideen vorantreiben und die sich für ihre Stadt stark machen. Manchmal ist es sogar ganz lustig. Zum Beispiel als vorigen Monat einer ein Foto von der Spinne auf dem Siegfriedtor reingestellt hat und über 100 Anmerkungen mir einen sehr lustigen Abend bereitet haben (sehr schade übrigens, dass der Tor-Künstler die Spinne sofort wieder entfernt hat. Das war nicht gerade ein Zeichen von „Offenheit für Neues“). Schaut doch mal rein und macht mit. Da werden noch viel mehr Leute mit Engagement und Humor gebraucht, die sich beteiligen.

Ja und jetzt – ihr ahnt es schon – hat auch der Onkel Ano seine eigene Seite bei Facebook. Jetzt kann ich nicht nur alle drei Monate in Xanten Live mein Gesülze loswerden, sondern stets und ständig, wann immer mir danach ist. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch das antun, indem ihr mich unter dem Suchbegriff Ano van Nym ausfindig macht und als Freund anklickt. Und wenn ihr von Anos Gewäsch die Nase voll habt, dann ist das durchaus verständlich. Denn wer nach allen Seiten offen ist, der ist ja automatisch auch nicht ganz dicht. Gut, dass sich so eine Facebook-Freundschaft dann ganz einfach wieder rückgängig machen lässt *Smiley* 

Schönen Gruß

Euer virtueller Online-Ano

 


 

Jetz aber ma Spässken beiseite!

Ja, ich weiß, ich bin hier eigentlich mehr für die lustigen Töne zuständig. Und ich bin ja auch en gutmütigen Typen. Aber jetz iss ma Schluss. Irgendwann fängt auch der Ano sich ma am Aufregen an. Und weil dat fürt Herz nich gut iss, muss man dem Ärger Luft machen.

Von und mit Ano van Nym

Wenn ich so die Xantener Szene betrachte, oder besser gesagt, den Teil der Xantener Szene, in den ich als einzelner rasender Reporter Einblick habe, dann muss ich feststellen: Es hat sich in den letzten Jahren wat verändert. Und zwar zum Schlechten. In der Presse und in den zahlreichen Gesprächen, die man so mit Individuen der verschiedensten Colör führt, wird mir eins immer klarer. Es gibt immer mehr Einzelkämpfer als Teamplayer in unserer Stadt. Die Grundeinstellung hat sich geändert. Früher war der Xantener an sich hauptsächlich neugierig. Neugierig auf Neues eben, auf Veränderung, auf Gerüchte, Geschichten, eben auf alles, was es so an spannenden Themen gibt. Das hat vielleicht manchmal genervt, war aber grundsätzlich gut. Heute ist es vielfach anders. Der Xantener ist nicht mehr grundsätzlich neugierig – sondern erst mal grundsätzlich dagegen. Dagegen sein ist total hip in Xanten. Und zwar mehr als anderswo, soviel ist sicher. Denn die „Anderswo-Leute“ lachen sich deswegen zum Teil schon über uns kaputt. Wenn man den Lokalteil der Tages- oder Wochenzeitungen durchblättert, dann geht es hauptsächlich darum, dass sich irgendjemand gegen irgendwas oder irgendwen anders wehrt. Meistens geht es um Lärm. Lärm durch Touristen, wobei es egal ist, dass wir ja in Xanten hauptsächlich von denen leben. Lärm von Veranstaltungen, wobei es egal ist, ob wir selber daran teilnehmen oder nicht. Lärm, den eine Kettensäge macht, wenn ein Baum gefällt wird, egal wie viele neue dafür gepflanzt werden. Lärm, den die Kirmes macht (OK, den Lärm hat die Kirmes schon immer gemacht, aber neuerdings vor meiner Haustür und das geht ja mal gar nicht!), Lärm, den die Politiker im Stadtrat machen, wenn sie verbal aufeinander einschlagen, wobei sich dieses Problem ja lösen ließe, indem man sie nicht mehr wählt. Die Liste des Dagegenseins beschränkt sich aber nicht nur auf Lärm, sondern eben auch auf alles andere. Einfach alles eignet sich zum Dagegensein.

Manchmal ist es wichtig, sich zu wehren. Gegen Ungerechtigkeiten, gegen Vertrauensmissbrauch, gegen Verschwendung und so viele andere Dinge. Aber die Grundhaltung, erst mal dagegen zu sein, nur weil der Vorschlag von dem und dem kommt oder nur weil ausgerechnet vor meiner Haustür jetzt irgendwas passiert usw. usw..... Freunde, dat iss zu viel – dat führt zu nix. Statt sachlichen Argumenten hört man immer häufiger Angriffe gegen Personen und/oder allgemeine Plattitüden wie „Nur über meine Leiche“ oder „nicht mit mir“. Das geht mittlerweile vom Stammtisch in der Kneipe bis hin zu den ganz prominenten Stellen im Rat der Stadt. Und überall ist diese Art des menschlichen Umgangs gleichermaßen fehl am Platze. Neulich hatte ich ein nettes Gespräch mit dem Gebrauchtwagenhändler meines Vertrauens. Der sagte: „Es wäre besser, wenn wir Leute über Xantener Themen entscheiden lassen, die gar nicht von hier kommen. Die denken einfach über das Problem nach und finden eine logische Lösung, weil es sie selber eben nicht betrifft.“ Das ist natürlich eine Schnapsidee. Warum? Weil sie von einem Gebrauchtwagenhändler kommt, und denen darf man ja bekanntermaßen überhaut nicht trauen. Seht ihr was ich meine? Wenn wir demnächst nicht die ganze Stadt für befangen erklären lassen wollen, weil alle Entscheidungen durch Widerstand unmöglich werden, dann lasst uns doch wieder sachlich werden. Dieses „Zurück zur Sachlichkeit“ fordern übrigens alle Fraktionen im Rat gleichermaßen – ja Leute, wenn ihr euch da alle so einig seid, warum macht ihr es dann nicht? Oder anders gefragt: Wer isset denn jetz in Schuld? Der Gipfel der Genüsse in Sachen destruktiver Äußerungen, der mir von einem gewöhnlich schlecht unterrichteten, inoffiziellen Informanten zugetragen wurde: „Ich wär ja eigentlich gerne dafür, aber das geht ja nicht. Ist ja Wahlkampf.“

Liebe Xantener, lasst euch das bitte mal auf der Zunge zergehen, holt tief Luft, damit sich die Herzkranzgefäße nicht über Gebühr verengen und dann versucht euch wieder ein bisschen  lieb zu haben. 

Ei laaf juh! Euer Ano

PS: Und ich verspreche – beim nächsten Mal bin ich wieder lustich.

 


 

 

Auf einer Achse mächtig in Schwung

Von und mit Ano van Nym

Ich bin ja immer noch ganz aus dem Häuschen. Was ich da vor einigen Tagen ausprobiert habe, war ne echt lustige Sache. Obwohl ich ja zuerst gar nicht wollte... Aber jetzt mal von vorne: Ihr müsst wissen, Freunde, immer wenn der alte Ano auf irgendein Brett mit Rollen steigen soll, dann lehnt er dankend ab. Meine Erfahrungen zum Beispiel mit einem Skateboard waren so kurz (5 Sekunden) und heftig (Schulterprellung), dass ich eigentlich ein für allemal keine Lust mehr auf rollende Bretter hatte. Die letzten 25 Jahre hab ich komplett die Finger bzw. die Füße davon gelassen.

Dementsprechend gemischt waren meine Gefühle, als die Jungs von „xanten-erfahren.de“ mich zu einer Tour eingeladen haben um die neuen Segway-Flitzer zu testen, mit denen man jetzt geführte Touren durch unsere Heimatstadt machen kann. Mir tat bei dem Gedanken gleich wieder die Schulter weh. Kurzum: Ich wollte erst gar nicht. Zu schmerzhaft die diversen Unfälle, die ich auch danach noch mit Roll- und Rutschgeräten aller Art erlebt hatte. Mit Gleichgewichtsübungen aller Art hatte ich doch längst abgeschlossen und hatte sogar richtig Angst vor derartigen Herausforderungen. Ich wollte schon dankend ablehnen, da machte sich ein anderer Wesenszug von mir bemerkbar: Neugier! Diese überwog dann gegenüber der Vorsicht und ich stürzte mich todesmutig in’s Abenteuer. Inklusive der dazugehörigen Nervosität und Achselnässe fand ich mich zum vereinbarten Termin in dem Schuppen im Gewerbegebiet ein, von wo aus die Fahrt losgehen sollte. Strahlender Sonnenschein – die Frisur perfekt. Aber nur kurz, denn ich bekam so eine Art Fahrradhelm aufgesetzt. „Das ist zwar nicht Pflicht, aber wir machen das immer so.“ Aha. Gut. Also wenigstens mein Kopf würde wohl heil bleiben.

Auf dem Hinterhof folgten die ersten Berührungen mit dem Objekt der Begierde. Eine Plattform mit Lenkgriff, zwei Räder nebeneinander.... Und da sollte ich mich jetzt drauf stellen ohne gleich umzufallen? „Einfach draufhüpfen und mich anschauen – nicht dabei denken.“ sagte mein Instruktor. Na gut: Schauen ohne zu denken, das kann ich. Ich kann sogar reden ohne zu denken. Also fasste ich mir ein Herz, stieg auf die kleine Plattform, die für Schuhgröße 49 so gerade noch ausreichte und siehe da – Ich stand auf dem Teil, die Lenkstange etwas verkrampft in beiden Händen und..... Ich fiel nicht um. Das war ungewöhnlich. Konnte ich mich doch bei ähnlichen Gelegenheiten stets darauf verlassen, mich durch tölpelhaftes Verhalten vor allen Leuten zum Obst zu machen. Das Gefühl war gar nicht so schlecht. Das Gefährt schien mir zu gehorchen. Jetzt sollte ich mein Körpergewicht nach vorne verlagern, dann ginge es los. Und tatsächlich, mein zaghaftes Nicken brachte das Gefährt ganz langsam in Bewegung. Mit dem Lenker geht’s nach links und rechts, mit dem Körper nach vorne und hinten. Freunde, ihr glaubt es nicht, der ungelenkige und –geschickte Ano brauchte keine drei Minuten um putzmunter mit dem tollen Ding auf dem Hof behände und geschwind seine Runden zu drehen. Wenig später konnten wir uns schon auf dem Weg durch die City zum Lüttinger Hafen machen. Kurven, Kreisverkehre, Ampelstopps, Bordsteine, Bahnübergang, Huckel... Alles kein Problem. Schon als wir am Hafen ankamen schien ich wie zusammengewachsen mit dem technischen Leckerbissen aus dem Hause Segway, der mir immer besser gefiel. Bis zu zwanzig Stundenkilometer schnell ist das Teil – wohlgemerkt aufrecht stehend, ist das eine ganz nette Geschwindigkeit. Wir stärkten uns mit einem Tässchen Kaffee und achteten darauf, dass uns auch wirklich jeder dort gesehen hatte, bevor wir die Runde um den See antragen. Die Helme wieder auf und die Fahrt ging los. Weder die Sandwege, noch vereinzelte Steigungen, Ecken und Kanten konnten mir mit meinem Gefährt etwas anhaben. Selbst den Slalom durch eine Fahrradschikane und um diverse Poller herum meisterte ich locker und als dann einer meiner Mitreisenden sagte, dass ich das überdurchschnittlich schnell gelernt hätte, fühlte ich mich doch sehr gebauchpinselt. Immer wieder überholten wir Fußgänger und Radfahrer, die sich zuerst erschreckten, weil sie uns auf leisen Rollen nicht herannahen hörten. Menschen, die uns entgegen kamen, schauten verblüfft oder grinsten freundlich. Ist ein echter Hingucker, so eine Reisegruppe auf Einachsrollern. Die Strecke, die wir zurücklegten, bis wir wieder im Gewerbepark ankamen, schätze ich mal auf etwa 10 Kilometer. Der Akku hätte mindestens noch für weitere 20 gereicht und ich wär auch gerne weiter gefahren, hätte ich nicht schon den nächsten Termin im Nacken gehabt. Das Segway-Gefährt bekommt von Onkel Ano jedenfalls die Höchstwertung in Sachen Fun-Faktor! Hat nen Riesen-Spaß gemacht und wenn ich das kann, Freunde glaubt mir, dann könnt ihr das auch!

 



Bei dem piept’s wohl???

Von und mit Ano van Nym

Heute will ich mal über eine bestimmte Person so richtig ablästern. Und weil man sowas eigentlich nicht tut, sag ich euch, liebe Freunde, mal lieber nicht den Namen. Den überpiepe ich im folgenden Text einfach mal, so wie die das im RTL auch immer machen.

Also: Den PIEP hab ich neulich auf dem großen Markt getroffen und mich mal mit ihm unterhalten. Eigentlich hat er sich eher mit mir unterhalten, denn ich kam kaum zu Wort. Ganz böse hat sich der PIEP über die Bauzäune am Markt erregt. Und dann hat er noch gesagt, dass der neue Markt ja doch nur eine kahle, leere Fläche geworden sei, mit nix drauf. Da ist mir dann aber der Kragen geplatzt, Freunde. Denn der PIEP war einer derjenigen, die voriges Jahr ganz eifrig das Bürgerbegehren unterschrieben hatte, aus dem hervorging, dass weder Wasserspiele noch Bühne noch Sonstwas auf dem Markt gebaut werden durfte. Aber das hatte der PIEP ja damals ganz anders gemeint. Er wollte ja nur nicht, dass Bäume umgehauen werden. Na ja...

Danach hat er mir noch erzählt, dass die im Rat hier ja alle nichts drauf haben. Den ganzen Tourismus-Quatsch hätten wir uns damals schon sparen sollen und dafür mal ordentlich Gewerbe ansiedeln. Die Touris in der Stadt nervten ihn jetzt jedes Jahr und man bekommt ja kaum noch einen Platz im Café wenn es schön ist. Nirgends hätte man mehr seine Ruhe. Ich sach: „Klar , PIEP, mit deiner tollen Industrieansiedlung hättest du natürlich mehr Ruhe. Nur dumm, dass du dann immer nach Kevelaer oder Kalkar zum Café müsstest, weil die in Xanten ja ohne Touris längst alle zugemacht hätten...“ Aber das wollte der PIEP gar nicht hören. Stattdessen griff er das Wort „zumachen“ gleich für eine neue Attacke auf. Es sei ein Jammer, dass alle Lebensmittelläden in der Stadt zugemacht hätten. Das ist ja ganz schlimm für die Leute, die nicht so gut zu Fuß sind wie er und die kein Auto haben, wie zum Beispiel Tante Erna. Oh, oooh, dafür hab ich ihm aber wieder einen eingeschenkt. Ich sach: „PIEP, wat hass du denn sagen wir mal bei CO-OP in der Stadt damals alles gekauft? Doch nur dat, watte bei Aldi vergessen hass, oder?“ Da musste er nun klein beigeben. „Hasse recht, Ano“ murmelte er und war noch kleiner als mit Hut, weil er gar keinen Hut aufhatte. Siehsse, PIEP, und weil du immer nur zwei Eier und en halbes Pfund Butter da gekauft hass, deswegen hat der zumachen müssen.“ „Näääh“, sacht PIEP „dat iss so nich richtig. Dat hat daran gelegen, weil der so teuer war. Und jetz isset sowieso uninteressant – weil man ja nich mehr aufem Markt parken darf. Wie weit soll ich denn meine Einkaufstüte schleppen?“ „Siehsse“, sach ich, „wat rechsse dich also auf?“

Zusammenfassend wäre es für PIEP wohl am besten, wir hätten in Xanten weder Industrie noch Tourismus, würden über die Innenstadt eine Käseglocke stülpen – wegen dat schlechte Wetter – und die Steuern müssten natürlich auch deutlich gesenkt werden. Da wissen die Politiker jetzt ja, was sie dem PIEP vor der nächsten Wahl versprechen müssen. Ich allerdings hab den Eindruck als ob es bei dem ganz schön piept. Also bei dem PIEP – nicht bei den Politikern – über die hab ich ja letztes Mal schon gelästert...

Alles Gute
Euer Ano

 

 


 

Bauarbeiter, die gar keine sind

– ausgegraben von Ano van Nym

 

Neulich war ich wie so oft in der Xantener Fußgängerzone unterwegs um mein schmales Gehalt unter die Leute zu bringen und als ich so die Kurfürstenstraße entlang schlenderte, fielen mir eine Handvoll Bauarbeiter auf, die in einem frisch ausgehobenen Kanalisationsgraben hockten und hübsche bunte Zettelchen mit kleinen Nägelchen an verschiedene Backsteine hefteten. Bei näherem Betrachten stellte ich fest: Das waren gar keine Bauarbeiter, das waren Archäologen! Immer wenn in der Xantener Innenstand gebuddelt wird, ist mindestens einer von denen dabei und guckt ganz genau beim Baggern zu. Weil man kann ja nie wissen, ob da nicht was Wertvolles aus dem Mittelalter zu Tage kommt. Denn in Xanten haben wir nicht nur Arcitektur-Denkmäler und Bodendenkmäler, man stößt auch alle paar Meter auf subterrane Kostbarkeiten, wenn man tiefer als 50 cm gräbt. So auch vor drei Wochen, als man beim Ausbaggern der Abflussrohr-Trasse zufällig vor der Evangelischen Kirche Reste eines mittelalterlichen Backsteingewölbes fand. Und da passierte folgendes: Die Bauarbeiter mussten beiseite treten, weil sie in ihrem Graben keinen Platz mehr hatten. Der war nämlich jetzt voller Archäologen. Archäologen – das sind vornehmlich Männer mit orangenen Warnwesten, die eigentlich das gleiche machen wie Bauarbeiter. Sie graben. Aber sie graben viel langsamer. Das ist kein Wunder, denn sie haben auch viel kleinere Schüppchen als die Kollegen mit dem großen Bagger. Und sie müssen viel vorsichtiger sein, denn sie wollen nichts kaputt machen, was vor über 500 Jahren mühevoll gebaut wurde. Nein, kaputt machen sie nichts, aber jeder einzelne Stein wird jetzt freigelegt, ausgemessen, mit Nummernzettelchen versehen und fotografiert. Das ist fast so wie in den ganzen amerikanischen Krimiserien, nur dass die Leichen aus Stein sind und in der Regel schon viel länger tot als die im Fernsehen.

 Ich hab dann mal den Grabungsleiter gefragt, wie lange das denn wohl dauern wird, da vor der Evangelischen Kirche. Er antwortete, dass das recht schnell ginge. Schon in etwa drei Tagen sei man fertig. Dann kann der Bagger weitergraben – natürlich wiederum unter den Argusaugen eines Archäologen, der sofort wieder „Stopp“ ruft, wenn das nächste Steinchen zu sehen ist. Jetzt ist es ja so, dass so ein Graben in der Fußgängerzone nicht eben praktisch ist. Und schön ist er auch nicht. Deshalb wollen viele, dass der schnell wieder verschwindet. Vor allem die Ladenbesitzer. Ladenbesitzer sind Leute, die anderen Leuten was verkaufen wollen. Das können sie aber nicht, wenn sich die anderen Leute nicht mehr in die Stadt trauen, weil sie Angst haben, sich die Ohren zu brechen. Die eben erwähnten anderen Leute (die mit den noch nicht gebrochenen Ohren) sind sauer auf die Archäologen, weil die verhindern, dass der Graben schnell wieder verschwindet. Jetzt hab ich gesehen, wie einer von den anderen Ohrenleuten laut auf die Gruppe von Archäologen eingebrüllt hat und ihnen in übertriebener Lautstärke genau erklärte, wie bekloppt sie denn wohl wären, dass sie die Bauarbeiten so behindern würden. Das hörten andere Ohrenleute, die wiederum mit dem ersten im Chor weitergebrüllt haben. Die Archäologen, die sich bei ihrer Arbeit normalerweise sehr konzentrieren müssen, arbeiteten daraufhin logischerweise noch langsamer, was nun wieder einen der Ladenbesitzer dazu bewegte, schlichtend einzugreifen. Das Gebrüll hörte schnell auf und die Archäologen konnten ungestört weiterarbeiten. Ich hab dann noch schnell ein paar Fotos für diesen Artikel hier gemacht und bin weggegangen. Man will ja irgendwie auch nicht stören.

Die Moral von der Geschicht‘

Und weil man beim alten Ano ja immer auch was lernen soll, lasst mich noch folgendes sagen: Das was die Archäologen da machen, das machen die nicht um andere zu ärgern sondern weil das wirklich wichtig ist. Die Ladenbesitzer sehen das auch so, weil sie wissen, dass der größte Teil der Touristen ja nun mal wegen der ganzen Archäologie überhaupt nach Xanten kommt. Jeder Ladenbesitzer müsste also Archäologen lieb haben (nur haban das sicher noch nicht alle von ihnen im vollen Umfang realisiert).

Aufregen nützt auch deshalb nix, weil man ja sowieso kaum etwas dagegen tun kann. Es ist ganz einfach gesetzlich vorgeschrieben, dass bei Bodenbewegungen in der Xantener City die Archäologen dabei sind. Basta. Was uns aber sicher keiner übel nimmt: Dass wir alle inständig hoffen, dass sie im weiteren Baufortschritt nichts Wichtiges mehr finden. Denn der Kanal soll ja in einer kompletten Runde um den Markt herum verlegt werden und wenn da alle paar Meter angehalten werden müsste........ Aber wir wollen ja den Teufel nicht an die Wand malen, wa?

Tschüß

Euer Ano

 


 

 

Alles Betrüger!

Von kleinen und großen Nickeligkeiten in Xanten

Kommt doch neulich meine Redaktionskollegin zu mir und schüttet mir Ihr Herz aus: Hat sie doch – wie Frauen so sind – ihre Tür zufallen lassen und der Schlüssel steckte noch – natürlich an der anderen Seite. Kurzerhand suchte Sie im Telefonbuch nach einem Schlüsseldienst in Xanten und fand auch sogleich einen. Dessen Namen kannte sie zwar nicht, wohl aber die Adresse. Eine ganz bekannte Einkaufsstraße in Xanten. Der Herr vom Schlüsseldienst kam auch ziemlich flott und vollbrachte sein Werk. Genau so prompt präsentierte er seine Rechnung – und da kam das Aha-Erlebnis. Die war nämlich genau so gesalzen, wie die der Abzocker-Schlüsseldienste über die neulich erst im Fernsehen berichtet wurde. Dumm gelaufen. Denn Der besagte Schlüsseldienst hat sich in Xanten nur eine Briefkasten-Adresse zugelegt. Die Bösewichte kommen ganz woanders her. Und was sagt uns das Ganze? Nicht nach bekannten Straßen gucken sondern lieber nach bekannten Namen, denn da gibt es auch mindestens einen in Xanten, der sowas gut und günstig macht.

Nicht alle Unternehmer sind also Bösewichte und Betrüger. Manche sind ja auch ganz lieb und bieten ihren Kunden guten Service wie zum Beispiel „Mutter und Kind Parkplätze“ direkt vor der Ladentür. Damit die Mehrfach-Mutter, die ja weiß Gott schon genug Schlepperei hat, nicht auch noch wer weiß wie weit zu ihrem Auto laufen muss. Leider ist in diesem Fall zwar nicht der Unternehmer der Betrüger, aber dafür einige seiner Kunden. Da stehen nämlich dann meistens Autos ganz ohne Kindersitze und den Typischen „Lena on Tour“-Aufkleber auf diesen Parkplätzen. Die meist männlichen Halter dieser Karossen haben zwar keinen Maxicosi zu schleppen, höchstens einen Bierbauch oder eine Großpackung Gleichgültigkeit. Pfui-bah kann ich da nur sagen. Aber Achtung, liebe Mitstreiter: Nicht jeder Mann auf dem Mutter und Kind Parkplatz ist automatisch ein Betrüger. Es soll auch Väter geben, die ihre zahlreiche Kinderschar zum Einkaufen mitnehmen (müssen).

Bleiben wir noch kurz beim Thema Parkplätze. Neulich wollte ich auf dem kleinen Markt parken, da sehe ich doch auf dem Behindertenparkplatz einen roten Ferrari stehen. Boah, hab ich gedacht, wat geht et den Behinderten in Xanten doch gut. Aber nach genauerer Betrachtung konnte ich keinen entsprechenden Ausweis an der Windschutzscheibe finden. Also schon wieder ein Betrüger! Na ja, wer son schnellen Flitzer hat, der will natürlich die gewonnene Zeit nicht auf dem Weg zur Bäckerei wieder liegen lassen. Wie wär’s, Herr Ferrari, wenn Se sich einfach einen eigenen Parkplatz von der Stadt kaufen, dann hätten Xantens Gehbehinderte auch keinen Hass mehr auf italienische Rennautos.

Aber nun zu den größten Betrügern: Das sind ohne Zweifel die Xantener Politiker, die sich regelmäßig zu konspirativen Treffen im Rathaus zusammenfinden und dort streiten – allerdings nur zum Schein, denn insgeheim sind sie sich alle einig: Ihr Ziel ist es, die Bürger Xantens zu schädigen wann immer sie können. Neuestes Beispiel: Auf Geheimbeschluss des Xantener Rates wurde ein besonders kalter und lang anhaltender Winter bestellt, der die Marktbaustelle unnötig in die Länge ziehen soll. Nur damit die Bürger umständliche Umwege gehen müssen, damit sie monatelang ein hässliches Stadtbild vor Augen haben und damit Feste wie Weihnachtsmarkt und Karnevalszug kompliziert umzuorganisieren sind. Außerdem erfuhr ich von gewöhnlich schlecht unterrichteten Quellen, dass eben diese Politiker voriges Jahr heimlich kleine Scherben und Steine im Erdreich versteckt haben, damit die Archäologen in der Bauphase darauf anspringen und das Ganze dadurch noch länger dauert. Geschickt eingefädelt, aber Vorsicht: Ano durchschaut alles. Alles Betrüger!

So, Freunde, jetzt muss ich aber schlussmachen, ich muss dringend noch für 800 Euro eine Tür aufbrechen, meinen grünen Lamborghini aus der Feuerwehreinfahrt fahren und ein paar olle Knochen unter dem Markt verbuddeln...

Tschüß,

euer Ano

 

 


 

25 Ausgaben Xanten Live

5 Jahre kontrolliertes Chaos in der Redaktion

Silbernes Jubiläum in der Xanten Live Redaktion. Und ich soll jetzt was über die Höhen und Tiefen des "Live Magazine Verlages" schreiben. OK, ich weiß ganz gut Bescheid. War ich doch als inoffizieller Mitarbeiter schon von Anfang an dabei und habe einiges mitbekommen von dem kontrollierten Chaos, das in dieser etwas anderen Zeitschriften-Redaktion so herrschte und immer noch herrscht.

Zunächst einmal sei etwas über die Personalstärke gesagt. Der ganze Laden besteht nämlich nur aus zwei Personen. Angelika und Thomas heißen die. Die Aufgabenteilung ist eigentlich ganz einfach: Er sorgt für Redaktion/Text, Fotos und Anzeigenverkauf und sie kümmert sich um die Gestaltung und den kaufmännischen Kram, der von Rechnung schreiben bis hin zu "Anwalt auf säumige Kunden hetzen" reicht. Letzteres gottlob nur in seltenen Ausnahmefällen.

Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Bei einer so großen Anzahl von Mitarbeitern passiert es natürlich gelegentlich, dass Informationen nicht weitergegeben werden und dann am Ende eine Sache doppelt oder gar nicht gemacht wird. Zumal die beiden nicht im selben Büro arbeiten, sondern ca. 4 km voneinander entfernt in ihrem jeweiligen Home-Office. Anfangs haben viele geglaubt, Angelika und Thomas seien auch privat ein Paar - aber mitnichten! Sie arbeiten nur geschäftlich zusammen und haben jeweils gesondert voneinander den entsprechenden Lebenspartner und je zwei Kinder (beide von jeder Sorte eins).

Der rasende Reporter

Thomas Költgen ist bei der Xantener Unternehmerschaft mittlerweile nicht nur bekannt, sondern auch gefürchtet. Bei anderen Zeitungen weiß man sehr wohl zwischen Redakteuren, Fotografen und Anzeigenverkäufern zu unterscheiden. Nicht so bei Xanten Live. Hier kommt für alle drei Anliegen der selbe Mann ins Haus und eh man sich's versieht, wird man nicht nur fotografiert und mit Interviewfragen gelöchert, sondern bekommt auch noch ein Inserat angedreht. Vorsicht ist also geboten. Auch wenn er oft mit den Worten "Keine Angst, ich bin's nur..." den Laden betritt. Eine sehr effektive Arbeitsweise, ohne die das Projekt Xanten Live finanziell gar nicht realisierbar wäre. Ein kleiner Tipp für Xantener Ladenbesitzer: Hat Költgen seine große Fototasche nicht dabei ist er völlig ungefährlich. Denn dann ist er privat unterwegs und will einfach nur einkaufen.

Die resolute Künstlerin

Angelika Horlemann regiert vom Büro aus. Selten wagt sie sich hier heraus. Das muss sie auch nicht, denn in ihrem Büro laufen alle Fäden für die aktuelle Xanten Live Ausgabe zusammen. Fotos und Texte kommen per Email, Anzeigenvorlagen werden gebracht, Korrekturabzüge und Rechnungen werden von hier aus verschickt. Streitigkeiten mit dem Redakteur werden grundsätzlich auch hier ausgetragen - oder aber am Telefon, damit die beiden Kinder die für ihre Altersklasse ungeeigneten Wörter nicht so leicht mitkriegen. Alles ist minutiös geplant und wenn sie einen Tag vor Druckdateien-Abgabe ihre berühmte "finale To-Do-Liste" anfertigt, stellt sich dann heraus, dass eigentlich noch 80 Prozent der Redaktion und etwa die Hälfte der Anzeigenvorlagen fehlen. Egal - wenn die 24 Stunden des letzten Tages nicht reichen, nimmt man eben noch die Nacht dazu.

Wer ist eigentlich Ano van Nym?

Nun, über meine Person kann und will ich hier nicht viel sagen. Immerhin bin ich ja "Inoffizieller Mitarbeiter" und grundsätzlich nur für die spaßigen und nicht ganz koscheren Redaktionsanteile zuständig. Aber mal ganz ehrlich - ohne mich wüssten die beiden Firmeninhaber gar nicht wo es langgeht. Glaubt mir, Leute, wenn ich nicht wäre, hätten die sich schon längst gegenseitig "anne Köppe gekricht" und der Laden wäre dicht. Bezeichnen könnte man mich also am besten als den guten Geist des Hauses, der dafür sorgt, dass nichts aus dem Ruder läuft. Gelingt mir nicht immer, wie die Rubrik "Pleiten Pech und Pannen" auf Seite .. belegt, aber im Großen und Ganzen hab ich meine beiden Chefs schon ganz gut im Griff....