Xanten Live 65

XANTEN LIVE Nr. 65 • März - Mai 2019 23 Förderverein Alpener Motte möchte den Schutzstollen begehbar machen Der drohende schnelle Verfall des Alpener Mottenhügels Wenn Behördenanträge und Zeitdruck aufeinander prallen U m 1200 n.C. erbaut, stand die „Burg Alpen“ bis ins 18. Jhd. auf dem von Menschenhand erbauten, ca. 55 m im Durchmesser umfassenden „Mottenhügel“. Daher rührt auch der Name „Motte“ - ein von Menschenhand erbauter Hü- gel mit einer Burg, in diesem Fall wahrscheinlich zuerst aus Holz erbaut und später aus gebrannten Ziegeln erneuert. Bis ein Erd- beben sie im 18. Jhd. unbewohnbar werden ließ. Aktuell sind nur noch die Fundamente der Burg vorhanden, und auch die sind größtenteils unter Erde und Vegetation begraben. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Im 2. Weltkrieg bauten Anwohner der Alpener Burgstraße ei- nen Sicherheitsstollen quer durch den Mottenhügel. Mit einigen Verwinklungen, damit die Menschen auch bei einer Eingangs- explosion oder einem Hineinschießen geschützt wären. Etwa 50 Menschen fanden in diesem Schutzstollen auf Holzbänken Platz – um ein Chaos zu verhindern, hatte jeder seinen festen Platz. Nach Kriegsende wurden zahlreiche Holzbalken aus dem Stollen herausgeholt, da Brennholz knapp war. Dadurch war er instabil und ein Sicherheitsrisiko, dem man in den 70er Jahren entgegen- trat: der Stollen wurde an Ein- und Ausgang mit Erde komplett verschlossen. Das erklärt, warum der genaue Verlauf dieses Stollens ein gro- ßes Geheimnis ist und auf Erzählungen beruht: die Höhe soll ca. 2 m betragen, die Breite wird auf 1,30-2 m geschätzt. Berichte, es soll sich ein größerer, höherer Raum darin befinden, können nicht bestätigt werden. Begehbar ist er aktuell natürlich nicht und daher auch komplett abgesichert. Ein Video-Roboter stieß schnell an Hindernisse und konnte den Stollen nicht durchqueren. Um die Gründe für die Absenkungen der Motte festzustellen, wurde der Stollen Anfang 2018 geöffnet. Jedoch hatte der kom- plett verschlossene Stollen ein Vakuum aufgebaut, das nun verlo- ren ging. Der Verfall nahm seither deutlich an Fahrt auf, wodurch der 2. Schritt - die kurzfristige Sanierung - unumgänglich wird. Ein Moerser Fachunternehmen verfügt über die nötige Erfahrung, es bleibt die Frage nach der Kostenübernahme. Behördenanträge für öffentliche Gelder für Denkmalpflege laufen, sind aber sehr langwierig. Leider ist für Geduld keine Zeit. Schon der nächs- te härtere Winter könnte lt. dem Kölner Fachunternehmen Mi- nerva X den Stollen unwiderbringlich einstürzen lassen - und mit ihm weite Teile der Fundamte der Burg Alpen. Der Verlust bei einem Einsturz wäre immens, handelt es sich doch sowohl bei der Burg als auch bei dem Stollen um eines der letzten Bauwerke der Alpener Geschichte. Die Motte hat stets den Alpener Bürgern Schutz geboten - einst als Burganlage und im Krieg durch den Schutzstollen. Viele Generationen heutiger Al- pener fühlen sich mit ihr verbunden. Eine Sanierung des Stollens mit anschließender Begehbarkeit für die Öffentlichkeit, u.a. auch für Schulklassen, bringt die Möglichkeit mit sich, die bewegen- de Erfahrung eines Aufenthalts in einem Schutzstollen machen zu können. Und auch die danach erst mögliche Freilegung der Fundamente der Burg Alpen liegt dem Verein sehr am Herzen. Hier könnte man z.B. ein ‚augmented reality‘ einsetzen, erklärt Joachim Hunke, Medienbeauftrager des Vereins, im Gespräch mit Xanten Live: Wenn man mit einer speziellen App an einem be- stimmten Punkt der Ruine steht, zeigt das Handy eine virtuelle Nachbildung der Alpener Burg, projeziert in die reale Welt. Leider sind das bislang nur gute Ideen, und davon hat der Verein noch viele mehr. Um sie zu realisieren, benötigt man Unterstüt- zung, am besten durch einen Vereinsbeitritt. Schon jetzt haben sich viele Bürger und Unternehmen gefunden, die das Projekt un- terstützen. „Aber jede einzelne Mitgliedschaft zählt, denn in einer großen Gruppe kann man auch bei Behörden stärker auftreten“, erläutert der Vorsitzende Christian Lommen. Auch „nur“ finanzi- elle Hilfe wird gerne angenommen. Interessierte finden alle nöti- gen Informationen unter www.alpener-motte.de. Bildmontage mit einem Rekonstruktionsversuch der Alpener Motte im 13. Jhd. Der hier sicht- bare Holzturm wurde im Zuge der Kulturhaupt- stadt Europas Ruhr.2010 in Herne errichtet. Herr K. P. Sasse stellte das Bild der jetzigen Neurader Motte zur Verfügung, um es in diese Bildmon- tage der Alpener Motte einzufügen. Bei unseren Nachbarn in Alpen droht ein geschichtsträchtiges Denkmal zu verfallen: Der „Mottenhügel“ am östlichen Eingang von Alpen wird zunehmend instabil, da der im 2. Weltkrieg hineingebaute Schutzstollen einzustürzen droht. Der Förderverein Alpener Motte nimmt seit November 2018 das Problem in die Hand.

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